Politics 2.0 – Obamas Wahlkampf

Der Wahlkampf von Präsident Barack Obama hat neue Maßstäbe in der Mobilisierung von Bevölkerungsmassen gesetzt. Fundamente dieser Mobilisierung waren die pro-aktive Verwendung von Kommunikations- plattformen des Web 2.0 und das kreieren einer Marke „Obama“, die sich über eben diese Plattformen etablierte. Im Gegensatz zu Obama verabsäumte sein Kontrahent, Senator John McCain, eine Masse von WählerInnen über soziale Netzwerke anzusprechen.

In der Tabelle  ist Obamas  Dominanz in den populärsten sozialen Medien gut erkennbar:

Obama vs McCain SocMed

Barack Obama war auf mehr als zehn weiteren sozialen Netzwerken vertreten, seine Basis im Internet war jedoch my.barackobama.com (MyBO), „[which] was at the heart of the campaign’s new media strategy. [… The] site allowed users to create events, exchange information, raise funds, and connect with voters in their area. MyBO was the digital home from which the campaign could mobilize its army of supporters.” [2] Durch den einfachen Zugang zu dem Portal etablierte sich bald eine große Community, die selbstverständlich auch von Gegnern Obamas unterwandert wurde, weshalb Community-Manager engagiert werden mussten, die die Internetforen kontrollierten und gegebenenfalls Kommentare löschten.

Demokratisierung des Wahlkampfs durch Partizipation der WählerInnen

Über zwei Millionen Profile wurden im Laufe des Wahlkampfs auf MyBO angelegt. Die Betreiber von MyBO pflegten intensiven Austausch mit UserInnen, um einerseits das Identifikationspotenzial der UserInnen mit der Community zu steigern, andererseits sollte allen, die sich beteiligen wollten, die notwendige Hilfestellung gegeben werden. Über die persönlichen Blogs der Mitglieder auf MyBO konnten Erfahrungen ausgetauscht werden. Im internen Bereich standen den Freiwilligen zahlreiche einfach zu nutzende Werkzeuge zur Verfügung, z.B. Telefonlisten, Terminplaner, regional adaptierte Informationen und Argumentationsleitfäden, ein Barometer der gesammelten Spenden einzelner WahlkämpferInnen sowie eine Übersicht des Aktivitätsgrads, um den Ehrgeiz der Freiwilligen zu steigern.  Beachtlich war der Effekt, den MyBO außerhalb des Internets hatte. 200.000 sogenannte Offline-Events wurden über Obamas Internetportal organisiert.

Obama '08 iPhone Application von Vincent J

iPhone-App.

Mit 13 Millionen gesammelten E-Mail-Adressen und einer Milliarde versandten E-Mails konnte das Team von Obama auch auf diesem Weg Menschen mobilisieren. „The Obama team used email as an integral platform to engage supporters, bloggers, and online media. Often overlooked by traditional communications departments, email has one major advantage: speed.” [2]  E-Mails ermöglichten dem Präsidentschaftskandidaten seine UnterstützerInnen auf Augenhöhe anzusprechen und sie direkt und unmittelbar an seinem Wahlkampf teilhaben zu lassen. Die Einteilung der EmpfängerInnen in Gruppen ermöglichte individuell abgestimmte Nachrichten zu verbreiten. Noch unmittelbarer als E-Mails war der Einsatz von SMS: „2.9 million people received the campaign’s Text message announcing Joe Biden as Barack’s running mate.“ [2]

Unabhängigkeit des Präsidenten durch Unterstützung der Masse

Herzstück von Obamas Medienauftritten war sein Blog. „It was the hub that captured all activities in the Obamaverse and shared them with the world. The blog was the campaign’s repository, a place where stories, videos, news, and pictures were captured and pushed out to Obama’s many social network profiles.” [2] Durch die Aktivitäten der UserInnen im Blog, wurde der Hauptslogan des Wahlkampfs verstärk: “Yes we can!” Jede und jeder wurde aktiver Teil der Kampagne Obamas. So konnte Obama McCain nur durch die Unterstützung vieler einzelner Menschen im Fund-Raising schlagen und die nötigen Mittel für seinen Wahlkampf aufbringen. Auch hier setzte Obamas Team auf das Internet, da zwei Drittel der Spenden für Obama online überwiesen wurden , wärhend McCain nur ein Drittel der Spendengelder online lukrieren konnte.

„Insgesamt gelang es dem Demokratischen Kandidaten und nunmehrigen Präsidenten, während des Wahlkampfs rund 700 Millionen US-Dollar an Spendengeldern zu lukrieren, sein republikanischer Herausforderer John McCain schaffte 316 Millionen Dollar.“ [4] Auch wenn Harfoush und Varga andere Zahlen nennen, ist eines klar: Obamas Erfolg im Fund-Raising ist auf Kleinspenden zurückzuführen, da ein Viertel seiner Wahlkampfgelder aus Spenden mit weniger als $200 stammt. “3 million donors made a total of 6.5 million donations online adding up to more than $500 million. Of those 6.5 million donations, 6 million were in increments of $100 or less. The average online donation was $80, and the average Obama donor gave more than once.” [5]   Das Spendenverhalten der US-AmerikanerInnen befreit ihren Präsidenten vom Einfluss finanzstarker Lobbies aber auch seiner eigenen Partei. Durch die direkte Mobilisierung seiner Wähler über das Web 2.0 wurde Obama zu einer Ein-Mann-Partei. „Without entirely realizing it, America elected its first Independent president.“ [3]

Die entscheidenden Erfolgsfaktoren für Obamas Wahlkampf waren:

  • Neue Medien im Zentrum der Aktivitäten: Als eigene Einheit positionieren, mit ausreichenden zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen!
  • Gesamtkonzept entscheidet: Technische Tools alleine bringen keinen Erfolg, weshalb die Hälfte aller Kampagnen mit neuen Medien scheitert. Die ganzheitliche Strategie umfasst essentielle Faktoren wie Auswahl der Tools, Kommunikationskonzept, Ablauf, Verantwortliche und Ziele.
  • Plattformen überblicken und Beziehungen aufbauen: Das heißt, für jede einzelne Plattform ihren potentiellen Mehrwert erfassen, den jeweiligen Umgangston treffen, lernen, zuhören und sich authentisch einbringen.
  • Kontrolle aufgeben: Die Teilnehmenden bestärken, das Vorhandene zu verändern, Entwicklungen zulassen, Marke und Inhalte nicht zu 100% kontrollieren sondern den UsernInnen Freiheiten lassen.

Quellen:

  1. Rahaf Harfoush. „Yes we did, strategic Insights from the Obama Campaign by Rahaf Harfoush.“ scribd.com, 30.11.2008.
  2. Rahaf Harfoush. Yes We Did. An inside Look at how Social Media built the Obama Brand. New Riders: Berkeley, 2009.
  3. John Heilemann. „The New Politics. Barack Obama, Party of One.“  New York Magazine, 11.01.2009.
  4. ORF ON Science. „Obama: Besonders beliebt bei Kleinspendern.“ 24.06.2009.
  5. Jose Antonio Varga. „Obama Raised Half a Billion Online.“ Washington Post, 20.11.2008.

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