Internet

„ICH KLICKE, ALSO BIN ICH!“ (Peter Kampits)

Eröffnungsvortrag der 28ten Waldvierteler Sommergespräche 2012 von Prof. Dr. Peter Kampits

Privatheit und Sicherheit von Daten stellen einen Luxus dar, der in Zukunft nur für wenige leistbar sein wird. Die Erfindung des Computers und die Einführung des Internets sind mit den bisherigen Werkzeugen der Menschheit nicht zu vergleichen. Steigbügel, Pflug und auch der Buchdruck haben den Menschen nicht in vergleichbarem Ausmaß verändert. Die IKT ist nicht mehr Werkzeug sondern verändert den Rohstoff Mensch, wir sind nicht mehr die Herrscher über das Werkzeug, sondern wir sind Teil des Werkzeugs geworden. Dies gilt insbesondere für die Digital Natives und Jugendlichen.

Durch Informationsüberflutung werden wir “über”informiert und verlernen zunehmend zu priorisieren, dies fördert Vergesslichkeit und Zerstreutheit. Die Lawine an bedeutungslosen E-Mails die tagtäglich unsere Mailboxen fluten, ist nicht  zu ertragen. Kampits sehnt sich den guten alten Brief wieder zurück und fordert zu Sabotage und zivilen Ungehorsam auf, die elektronischen Medien nicht mehr zu nutzen. 

Als Auswirkung des Lebens im Digitalen zeigt sich in der Verarmung der Sprache, der sinkende  auch Toleranz und einer zurückgehenden Innovation. Wir unterwerfen uns den Signalen und Einzeilern und verlieren die Kontrolle über unsere Gedanken. Dies führt auch zu Veränderungen des sozialen Verhaltens und der Kommunikation, die wir nicht bewältigen können, da wir auf Kleingruppen programmiert sind und uns die globale Vernetzung in die Erschöpfung treibt. Multitasking ist Körperverletzung, bei der wir versuchen dem Modell des Computers gleichzukommen, was letztendlich zu mehr Fehlern und zu einer Fragmentierung der Denkvorgänge führt. 

Das Internet kann zur Demokratisierung führen, aber auch zur Unterdrückung genutzt werden. Weiters führt es zu einer weiteren Spaltung in eine digitale Zwei-Klassen- Gesellschaft. Selbst wenn 80 Prozent am Tropf des Netzes hängen werden Menschen ausgeschlossen. 

Die massenhafte Aufgabe der Privatsphäre ist für Kampits nicht nachvollziehbar. Neben den freiwillig zur Verfügung gestellten Daten werden zahlreiche weitere elektronische Fußspuren hinterlassen, die Google, Facebook und Co. einsammeln, um daraus Profile von uns zu erstellen. Vielfach wissen sie über uns mehr als wir selbst, da sie nichts vergessen.

Suchmaschinen und soziale Netzwerke sind die neuen Zentren der Macht. Mark Zuckerberg selbst war überrascht über das Vertrauen und die Selbstverständlichkeit, mit dem ihm seine NutzerInnen die intimsten Daten überlassen. Der Spruch My Home is my Castle wurde zu My Home is my Web. Dies kombiniert sich mit den Datensammlungen des Staates von Krankheitsdaten über Verwaltungsdaten bis hin zu unseren Bewegungsdaten, die über unsere Mobilgeräte aufgezeichnet werden. Dystopien wie “Brave New World” oder “1984” lesen sich inzwischen wie gemütliche Reiseberichte.

Aber auch die Zerstörung der Technologie ist keine Lösung, wie bei einem Vortrag in Salzburg, bei welcher der Redner silberne Hämmerchen ausgeteilt wurden, um die eigenen Displays zu zerstören. Nach Kampits müssen wir die Technologie zurück drängen in einer Art von Sabotage und die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung nutzen und somit die Kontrolle über das Werkzeug wieder erlangen.

Siehe auch:

Vorankündigung: Workshops zum Thema Menschenrechte und Internet

Zugang, Freiheit und Kontrolle im Internet

Workshop #1, 1. Juni 2012, Graz

Das Co:llaboratory.at startet mit der Workshopreihe Menschenrechte und Internet:
Anhand von Impulsvorträgen und Diskussionen sollen technische, rechtliche und soziologische Aspekte des Themas “Menschenrechte und digitale Gesellschaft” behandelt werden. Die Ergebnisse werden in einer Publikation gesammelt. Wir laden herzlich zur Teilnahme ein, für das leibliche Wohl ist gesorgt, die Workshop-Teilnahme ist kostenlos.
Der Grazer Workshop versteht sich als Auftakt zur Konzeption und Planung weiterer Workshops in Salzburg und Wien.

Wo: RESOWI-Gebäude, Universitätsstraße 15/C1, SR 15.15 (Bauteil C, 1. Stock)
Wann: 1. Juni 2012, 11–17 h

Um Anmeldung unter clara.landler (at) donau-uni (dot) ac (dot) at oder judith.schossboeck (at) donau-uni (dot) ac (dot) at wird herzlich gebeten!

Jemand darf mit Input und Teilnahme bei diesem Thema nicht fehlen? Bitte um Weiterleitung der Einladung an interessierte TeilnehmerInnen!

Bisher fixierte Impulsvorträge in Graz:

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Co:llaboratory AT – Start des Blogs und der weiteren Initiativen in Österreich

Das Blog der österreichischen Initiative des Co:llaboratory.de ist online – und damit der Aufruf für Interessierte, mitzumachen, sich zu vernetzen und auszutauschen. Was ist das Co:llaboratory AT und worum wird es gehen?

Geplant sind Aktivitäten, Workshops und Publikationen – wer an der Mailingliste interessiert ist, schickt bitte einfach ein kurzes Mail (Kontakt s.u.).

Wie unsere KollegInnen in Deutschland verstehen wir uns als offenen ExpertInnenkreis von AkteurInnen aus Wissenschaft, Verbänden, Daten- und Verbraucherschutz sowie Internetunternehmen. Gemeinsam möchten wir an Lösungsansätzen zu gesellschaftlichen Fragen rund um das Internet arbeiten. Schwerpunktmäßig wird es vor allem um die Themen Open Government und Open Data, Open Access, Social Media und Netzwerke, aber auch allgemeine Fragen rund um Politik, Staat und Verwaltung sowie Veränderungen von Demokratie und Gesellschaft gehen. Denn eines ist sicher: moderne Technologien zur Information und Kommunikation verändern die Art, wie wir Politik machen, aber auch ganz allgemein kommunizieren – und damit die Welt, wie wir sie kennen. Ob zum Guten oder zum Schlechten, ob Techno-Optimismus oder – Pessimismus – alle Meinungen und Sichtweisen sollen im Netzwerk zur Sprache kommen. Auch Österreichische Spezifika und Schwerpunkte stehen im Zentrum des Interesses.

Wir arbeiten darüber hinaus daran,  nicht nur in Workshops zu den Themen zu diskutieren, sondern die darin gewonnen Erkenntnisse und Ideen auch für die Allgemeinheit aufzuarbeiten – zum Beispiel auf unserem Blog – an dem sich Interessierte ebenfalls beteiligen können.

Ein offenes Netzwerk zum Thema Internet und Gesellschaft- oder: Wer sind wir?

Wir sind der österreichische Strang des Internet und Gesellschaft Co:llaboratory Deutschland. Ähnlich wie unsere KollegInnen haben wir uns den Veränderungen der Gesellschaft durch technologische Entwicklungen im Kontext von Politik, Staat und sozialen Bewegungen verschrieben. Wir sind ein ExpertInnenkreis aus Interessierten aus verschiedensten Organisationen in Wissenschaft, Politik, Verwaltung, NGOs und Wirtschaft.

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#gov2vie Vergessen im Internet / Innenpolitische Twittersphäre / Transparenz & Demokratisierung

In diesem Thread findet ihr meine Aufzeichnungen der Nachmittags-Sessions des Government 2.0-Camps.

Vergessen im Internet (Ralf Lesser)

Inspirationsfrage zur Themeneingrenzung: Wie wirkt es sich eigentlich auf unsere Gesellschaft aus, dass das Internet nichts vergisst und sich das Verhältnis von Erinnern und Vergessen sich grundlegend wandelt?

Die Session wurde zu Beginn eingegrenzt (je nachdem, worüber die TeilnehmerInnen diskutieren wollten). Als da wären:

  • Das Löschen einzelner Daten
  • Findet man mit Erinnern und Vergessen überhaupt den richtigen Punkt? Die neue Dimension ist eher das Auffinden als das Vergessen – Gespeichert wurden die Informationen ja schon vorher.
  • Wie wirken sich diese Veränderungen auf die Gesellschaft aus?

Grundsätzlich erhöht sich die Menge der Publikationen und ebenso die Speicherbarkeit. Daten im Zugriff zu halten und immer laufend neu zu kopieren ist ein Problem des Archivs. Spannend ist wohl, welches Vergessen wir eigentlich meinen, weil die Archivierung ohnehin passiert (das Internet archiviert sich gewissermaßen selbst). Vergisst nicht aber jedes Medium nicht? Das Internet vergisst auch insofern, weil gewisse Dinge nicht mehr verlinkt und dann nicht mehr als relevant wahrgenommen werden. Worin unterscheidet sich aber der Vergessensprozess im Internet zu jenen, die wir von früher her kennen? Vielleicht lässt sich Publizieren in Büchern auch mit dem Publizieren in wissenschaftlichen Journalen vergleichen – was zitiert wird, ist aktiv im Erinnerungsvermögen vorhanden.

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Vergessen im Internet (Session GovCamp 2011)

Hier finden Sie eine Vorankündigung einer Session im Rahmen des Government 2.0-Camps am 2.12.2011 in Wien.

Vergessen im Internet: gesellschaftliche Bedeutung und mögliche Lösungswege

Das Internet weiß (fast) alles. Ereignisse, Erlebnisse und Alltäglichkeiten stehen im Netz, öffentlich und dauerhaft, nichts wird vergessen. Diese Art der ewigen Präsenz und der ständig abrufbaren Vergangenheit kann – je nach Situation und Perspektive – Segen oder Fluch sein. Wollen wir wirklich, dass alles aus unserer Vergangenheit, aus unserem Privatleben immer verfügbar ist und bleibt? Welche technischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Möglichkeiten gibt es, mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen im Netz umzugehen? Wie wirkt es sich auf unsere Gesellschaft aus, dass sich mit dem Internet das Verhältnis von Erinnern und Vergessen umkehrt, zumindest aber stark verändert? Welche Chancen bringt dieser Prozess mit sich, welche Risiken bestehen?

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