ADV E-Gov Konferenz: Social Media auf kommunaler Ebene

Vortrag Mag. Christoph Meinecke

Der Vortrag von Bürgermeister Mag. Christoph Meineke (Gemeinde Wennigsen Deister, Deutschland) behandelte die Gründe für Social Media auf kommunaler Ebene. Einer der wesentlichen Gründe ist der zunehmende Vertrauensverlust im Gesamtsystem. Ein positiver Aspekt für die Kommunen ist, dass sie die mit Abstand höchste Akzeptanzrate von über 80% haben, während die Länder nur noch auf 66% kommen. Auf Ebene der EU vertraut gerade mal 30% der Gesellschaft den EU-Institutionen.  In einer weiteren aktuellen Umfrage aus Deutschland wollen über 55% der Kommunen in Web 2.0-Maßnahmen investieren – 52% in mobile Applikationen. 80% der PolitikerInnen  hoffen auf mehr Akzeptanz und 42% erwarten höhere Transparenz.

Bei den aktuellen Social Media-Projekten in den deutschen Kommunen sind folgende Phasen zu beobachten.

  1. Die Entscheidung Social Media einzuführen
  2. Eröffnung der Social Media-Depantancen auf Facebook, Twitter & Co. Dabei werden die Plattformen sehr traditionell als Einwegkommunikation der bestehenden Pressestellen verwendet.
  3. In der Startphase ist eine große Euphorie zu verzeichnen;  die kommunalen Medien berichten und die Politik freut sich über positive Pressemeldungen.
  4. Im Fall der Einwegkommunikation folgt jedoch die Ernüchterung
  5. Im Fall einer großen Ernüchterung führt dies zur Einstellung der Aktivitäten.

Kommunale Entscheidungswege sind  standardisierte formelle Entscheidungsprozesse, die linear mit geringer  Einbindung der BürgerInnen erfolgen. Internetbewegungen und Soziale Netzwerke erfolgen aber nicht linear sondern lateral. Nutzergruppen finden, verändern  sich und diskutieren in  lateralen Prozessen. Ein aktuelles gescheitertes linear angelegtes Projekt war Google Wave, welches der amerikanische Psycholog Richard Sennett untersuchte:

“ Sennets Erfahrung ist eine komplette Desillusionierung. Google Wave erzeuge eine lineare Dramaturgie und würde die Fruchtbarkeit lateraler Diskussionen eher verhindern. “Laterales Denken ist ein wichtiger Motor der Innovation”. Damit – so Sennets Fazit – war Google Wave zu einfach, zu schlicht für die Bewältigung der Komplexität einer fruchtbaren und kreativen Zusammenarbeit. Hier hatten die Entwickler die Nutzer unterschätzt.“

Provokant formuliert können wir uns aber fragen ob wir unsere Verwaltung umstrukturieren wollen, nur weil gewisse, möglicherweise kurzfristige Monopole, wie Facebook & Co die Verwaltungsordnung durchbrechen.😉

Erfolgsfaktoren für soziale Medien nach Meineke:

  1. Authentizität
  2. Nicht mit allen Themen auf Soziale Plattformen gehen, sondern mit ausgewählten Bereichen beginnen – beispielsweise ein gemeinsames Stadtwiki zu einem speziellen Thema. Ein empfehlenswerter Bereich ist zum Beispiel die Zielgruppe der Jugend mit entsprechenden Themen. Besonders erwähnenswert  ist in dieser Hinsicht Stuttgart. Ein Ergebnis von Stuttgart 21 ist z.B. das Zusammenführen von Kritik und Anregungen auf einer Webseite.
  3. Verwaltung umwandeln in eine Matrixorganisation: Struktur und Kultur verändern sich. Damit ändern sich Prozesse, beispielsweise die Ermächtigung von MitarbeiterInnen direkte Antworten im Bereich der Sozialen Medien geben zu dürfen. Der Dialog mit den BürgerInnen betrifft dann die gesamte Organisation.
  4. Dauerhafte Präsenz mit laufender Pflege.
Quellen:

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