UniBrennt

Berichterstattung in Echtzeit: Protestbewegungen und Social Media

Die Aufstände und Proteste gegen den Atommüll-Transport (unter dem Hashtag #castor auf Twitter dokukmentiert) sowie die heute in London stattfindende Demonstration von ca. 50.000 Studierenden (#demo2010) zeigen, dass Echtzeit-Informationen über Social Media nicht nur bei der Mobilisierung und Solidarisierung, sondern auch bei der Berichterstattung eine immer wichtigere Rolle spielen.

Gerade bei der Live-Berichterstattung ist Twitter eine Echtzeit-Informationsquelle für jene, die nicht an einer Veranstaltung teilnehmen können – und zwar lange bevor die meisten traditionellen Medien das Thema aufgreifen. Selbst Online-Medien können hier nicht immer mithalten. Daher greift auch die Internet-Berichterstattung etablierter Medien mehr und mehr auf den in Fülle vorhandenen Informationsfluss in Netzwerken zurück, wodurch neue Textsorten der Berichterstattung entstehen.

Ein gutes Beispiel für die Vermischung von dynamischeren Medien mit Social Media ist die Berichterstattung des Guardian über die heutigen Studierendenproteste in London. Der Blog-Bericht des Guardian inkludiert Twitter (neben anderen Social Media-Formen wie Flickr) ganz bewusst, wenn er angibt:
We’ll be following the progress, via the medium of Twitter, of three students in particular through today – @UADSA_VP_Attila, from the University of Abertay, in Dundee, @Arf_22, from Goldsmiths University, in London, and @joe_oliver, from the University of Sheffield, in erm, Sheffield.

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Politik im Netz – Wo bleibt die Systemrelevanz?

Anlässlich 1 Jahr unibrennt sind die Studierendenproteste und damit die Themen Politik im Netz und elektronische Partizipation wieder nicht nur in allen Mündern, sondern auch in allen Medien. Im Mittelpunkt steht u.a. die Frage, inwieweit sich Protest und politische Mitbestimmung durch Soziale Netzwerke verändert haben.

Meinungsbildung und strukturelle Organisation in Sozialen Netzwerken

Eine FM4 Homebase am 21.10. zum Thema “Protest im Netz” mit Robert Zikmund, gestaltet von Michael Schmid, beschäftigte sich mit dem Wandel der Öffentlichkeiten und der Verlagerung der Meinungsproduktion in das Internet. Dies hat wiederum einen Umbau der Medienlandschaften zur Folge, denn Information wird nicht mehr streng hierarchisch (top-down) produziert. Und die meinungsbildende Kraft von Sozialen Netzwerken haben mittlerweile auch Politik und Unternehmen klar erkannt.

Im Unterschied zu bestehenden Netzwerken wie Telefonlisten etc. hat das Internet die Möglichkeit politischer Beteiligung radikal verändert. Die Abstufungen der verschiedenen Proteste sind so fein, dass man zwischen “MitläuferIn” und “Hauptprotest-TeilnehmerIn” nicht mehr unterscheiden kann. Tools wie Facebook oder Twitter unterstützen die zunehmend vernetzte Kommunikation. Jana Herwig streicht in diesem Zusammenhang die Möglichkeit strukturellen Organisation über “Hashtags” (#) heraus. Um überhaupt an die Öffentlichkeit zu treten, sind heute geringere Mittel notwendig, auch können sich in dieser Situation marginalisierte Gruppen besser zusammenfinden.

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re:publica #3 (Tag 2)

Am zweiten Tag lief die Konferenz etwas langsamer an. Ein Schwerpunkt lag ganztägig auf dem Thema Netzneutralität, zu dem eine Serie von Vorträgen stattfand.

Matthias Kröner: Community Banking

Deutschlands jüngster Bankvorstand stellte vor, wie das Web 2.0 im Bankenkontext genutzt werden kann. Gerade da die Zeiten nicht leichter werden und die Kaufkraft abnimmt, sind für ihn mehr Transparenz und die Beschäftigung mit Social Media wichtig. Die Fidor Bank AG versucht ein anderes Bankkonzept umzusezen und Web 2.0 darin zu integrieren. Wichtig ist, bei der Veröffentlichung von Inhalten Ängste abzulegen: Viele seiner KollegInnen im Bankgeschäft hätten beispielsweise Angst zu twittern. Kröner meint, wenn Barack Obama mit jedem Komma eine Lawine auslösen kann, dürfe auch eine deutsche Bank keine Angst haben, sich über Microblogging zu äußern.

Der Mehrwert wird für Banken generiert, wenn man wirklich vielen Leuten folgt. Die Inhalte fließen in die eigene Community und in den Newsblock, weshalb KundInnen den umfassendsten Newsflow geboten bekommen – einen, der sie wirklich betrifft und mit anderen DienstleisterInnen nicht vergleichbar ist. Transparenz ist für Kröner ein Grundthema, letztlich liege aber alles bei den KundInnen und der Frage, ob diese die Chancen des Social Web nutzen wollen.

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„Ein Zurück zu vor der Besetzung wird es nicht geben.“*

Wie die Besetzung der Universität durch Studierende unser Verständnis von Politik nachhaltig verändern könnte

Was anfangs wie ein harmloser Protest aussah, hat sich zu einer basisdemokratischen Bewegung entwickelt, die momentan Österreichs Politik dominiert. Soziale Netzwerke und Kommunikationsdienste spielen dabei eine tragende Rolle.

Mehr als einen Monat nach Beginn der Aktion denken die Beteiligten nicht an ein Ende. Nach dem gestrigen sechsstündigen „Echten Bildungsdialog“ im Palais Kabelwerk, der als Gegenveranstaltung zum Hochschuldialog von Minister Hahn organisiert wurde, herrscht keine Einigung über die Arbeitsgruppen. Diese würden wesentliche Problemfelder aussparen. Und da die Forderungen der Studierenden noch nicht erfüllt sind (insbesondere jene nach Re-Demokratisierung), sind eine weitere Großdemo sowie neuerliche Vernetzungen mit anderen betroffenen Gruppen geplant. Auch soll der Protest und Diskurs auf die europäische bzw. internationale Ebene ausgeweitet werden – mehrere Vernetzungstreffen mit Deutschland finden bereits statt.

Warum die Besetzung so gut funktioniert

Dass eine angeblich unpolitische Generation in Windeseile eine politische Bewegung auf die Beine stellt, hat mehrere Gründe. Fragt man die Studierenden danach, wie sie sich organisieren, so wird schnell klar, dass das Web 2.0 ihnen Möglichkeiten bietet, die es für frühere BesetzerInnen nicht gegeben hat: Sie sind online überall präsent.

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