Society

Digitale Transformationen

Symposium und Buchpräsentation mit Abschlussdiskussion

Die Tagung am 29.11.2018 setzt sich mit der bereits angelaufenen technologischen Revolution auseinander, die unsere Art zu arbeiten und zu leben verändert und unsere gesamte Kultur massiv beeinflussen wird. Diese ist mit früheren technologischen Revolutionen nicht vergleichbar, weil Artificial Intelligence, Genetic Engineering und Robotik in ihrer ineinandergreifenden Dynamik rascher und tiefgreifender sind als jede technologische Umwälzung zuvor. Erstmals in der Geschichte der menschlichen Zivilisation ersetzen Maschinen nicht bloß menschliche Muskelkraft, sondern das menschliche Denken und Analysieren. Damit steht nicht weniger als die fundamentale Rolle des Menschen im Universum und sein bestimmender Einfluss auf den Gang der Zivilisation zur Disposition.

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Während die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Realitäten von der Komplexität einer wachsenden Zahl von ihren Wechselwirkungen immer unübersichtlicher werdenden Faktoren bestimmt werden, versuchen Politik und Wirtschaft verzweifelt, die lineare Gestaltungslogik des Industriezeitalters aufrechtzuerhalten. Und auch das Bildungs- und Wissenschaftssystem funktioniert weiterhin nach den Prinzipien von Fragmentierung des Wissens und intellektueller Arbeitsteilung. Während in den Feuilletons seit Jahrzehnten in regelmäßigen Abständen die Krise der Wissenschaft und der WissenschafterInnen beklagt wird, entstehen wissenschaftliche Karrieren immer mehr entlang quantitativer Indikatoren, die Selbstreferenzialität und inhaltliche Verengung begünstigen.
In einer von Artificial Intelligence, Digitalisierung und Robotik geprägten Welt wird der Mensch nur noch durch vernetzende kreative Denkprozesse gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkungskraft erzielen können, also durch Prozesse, die auf bisher ungedachte oder als undenkbar gehaltene Weise Verbindungen zwischen bekannten und daher zunehmend automatisierten Handlungs- und Wissensfeldern herstellen. Die Veränderung von Arbeit, Bildung und Freizeit wird ebenso wie die Veränderung unserer Gesellschaften durch interne demografische Entwicklungen und durch Migrationsbewegungen neue soziale Herausforderungen im Zusammenleben der Menschen als Handlungsfelder eröffnen.

Theorizing Society A. S. Krossa ©Palgrave Macmillan

Review: Theorizing Society in a Global Context – A.S. Krossa

Theorizing Society A. S. Krossa ©Palgrave Macmillan

Theorizing Society A. S. Krossa ©Palgrave Macmillan

Anne Sophie Krossa’s book on the evolution of globalization and societal developments is a welcome contribution to the ongoing debate on what actually constitutes society in a (supposedly) ever-globalizing world. In this text, Krossa challenges us to rethink the relationship between society and community and the dynamics of heterogeneity and homogeneity that are driven by it.

Offering a concise reading of the works of Tönnies, Simmel, Coser, and Dubiel, the author puts her own thoughts neatly into the broader tradition, without being excessively bound by it.

Contrary to many other works in the field Krossa does not argue normatively for either unity or diversity, but understands society itself as being constituted by the tensions between homogeneity and heterogeneity. In order to successfully conceptualize society, these two elements cannot be treated as separate entities but as core elements of social interaction, thereby becoming an integral part of society as such. Krossa explicitly avoids falling into polarized positions and makes clear that the poles (e.g. nation state and world society) are important points of reference, but that society has to be seen as a moving object between these poles. Describing society as a dynamic concept based on communication, Krossa shows that globalization is not necessarily a qualitatively new phenomenon, but that modernity has accelerated its quantitative characteristics. While she leaves the questions of the novelty of globalization somewhat open, she addresses the relation between modernization and the speed of globalization. Most importantly, Krossa convincingly argues that modernization should not be misunderstood as Westernization.

What comes as a surprise, however, is that the book is not referencing authors like Charles Taylor and Michael Mann, who have dedicated a majority of their research to similar questions like Krossa. Especially the treatment of globalization as modernity in the first part of the book could have profited from including a review of Taylor’s work – which Krossa is undoubtly familiar with.
The strongest part of the book deals with the idea of Europe and European society, outlining how difficult it is to actually define European society beyond pure rhetoric. The interaction of supranational institutions and nation-states with their national identities and unique cultural backgrounds makes the European situation an ideal case for the study of the complex relationship between homogeneity and heterogeneity. As Krossa succinctly points out, it is precisely the unfinished character of European society that makes it an ideal case study for the theoretical claims of the book.

At times when the political aspect of European society seems to be in a fundamental crisis, re-thinking the relationship between society and nation states on the one hand and society and supra-national entities on the other hand is a necessary task that is met by Krossa’s work.

Available from all good booksellers or online at http://www.palgrave.com
Hampshire, Palgrave Macmillan, 2013, ISBN 9781137003171

About the author:
Anne Sophie Krossa

Chair in Sociological Theory at the University of Siegen, Germany
Lecturer at Lancaster University, UK
Contact: http://goo.gl/X189us

Reviewed by:
Ralph Schöllhammer

Researcher at Danube University Krems, Centre for E-Governance, Austria
Contact: http://goo.gl/qbilnu

„ICH KLICKE, ALSO BIN ICH!“ (Peter Kampits)

Eröffnungsvortrag der 28ten Waldvierteler Sommergespräche 2012 von Prof. Dr. Peter Kampits

Privatheit und Sicherheit von Daten stellen einen Luxus dar, der in Zukunft nur für wenige leistbar sein wird. Die Erfindung des Computers und die Einführung des Internets sind mit den bisherigen Werkzeugen der Menschheit nicht zu vergleichen. Steigbügel, Pflug und auch der Buchdruck haben den Menschen nicht in vergleichbarem Ausmaß verändert. Die IKT ist nicht mehr Werkzeug sondern verändert den Rohstoff Mensch, wir sind nicht mehr die Herrscher über das Werkzeug, sondern wir sind Teil des Werkzeugs geworden. Dies gilt insbesondere für die Digital Natives und Jugendlichen.

Durch Informationsüberflutung werden wir “über”informiert und verlernen zunehmend zu priorisieren, dies fördert Vergesslichkeit und Zerstreutheit. Die Lawine an bedeutungslosen E-Mails die tagtäglich unsere Mailboxen fluten, ist nicht  zu ertragen. Kampits sehnt sich den guten alten Brief wieder zurück und fordert zu Sabotage und zivilen Ungehorsam auf, die elektronischen Medien nicht mehr zu nutzen. 

Als Auswirkung des Lebens im Digitalen zeigt sich in der Verarmung der Sprache, der sinkende  auch Toleranz und einer zurückgehenden Innovation. Wir unterwerfen uns den Signalen und Einzeilern und verlieren die Kontrolle über unsere Gedanken. Dies führt auch zu Veränderungen des sozialen Verhaltens und der Kommunikation, die wir nicht bewältigen können, da wir auf Kleingruppen programmiert sind und uns die globale Vernetzung in die Erschöpfung treibt. Multitasking ist Körperverletzung, bei der wir versuchen dem Modell des Computers gleichzukommen, was letztendlich zu mehr Fehlern und zu einer Fragmentierung der Denkvorgänge führt. 

Das Internet kann zur Demokratisierung führen, aber auch zur Unterdrückung genutzt werden. Weiters führt es zu einer weiteren Spaltung in eine digitale Zwei-Klassen- Gesellschaft. Selbst wenn 80 Prozent am Tropf des Netzes hängen werden Menschen ausgeschlossen. 

Die massenhafte Aufgabe der Privatsphäre ist für Kampits nicht nachvollziehbar. Neben den freiwillig zur Verfügung gestellten Daten werden zahlreiche weitere elektronische Fußspuren hinterlassen, die Google, Facebook und Co. einsammeln, um daraus Profile von uns zu erstellen. Vielfach wissen sie über uns mehr als wir selbst, da sie nichts vergessen.

Suchmaschinen und soziale Netzwerke sind die neuen Zentren der Macht. Mark Zuckerberg selbst war überrascht über das Vertrauen und die Selbstverständlichkeit, mit dem ihm seine NutzerInnen die intimsten Daten überlassen. Der Spruch My Home is my Castle wurde zu My Home is my Web. Dies kombiniert sich mit den Datensammlungen des Staates von Krankheitsdaten über Verwaltungsdaten bis hin zu unseren Bewegungsdaten, die über unsere Mobilgeräte aufgezeichnet werden. Dystopien wie “Brave New World” oder “1984” lesen sich inzwischen wie gemütliche Reiseberichte.

Aber auch die Zerstörung der Technologie ist keine Lösung, wie bei einem Vortrag in Salzburg, bei welcher der Redner silberne Hämmerchen ausgeteilt wurden, um die eigenen Displays zu zerstören. Nach Kampits müssen wir die Technologie zurück drängen in einer Art von Sabotage und die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung nutzen und somit die Kontrolle über das Werkzeug wieder erlangen.

Siehe auch: