Piraten

Rezepte gegen die Postdemokratie – über Medienhypes, Feminismus und Kampfplätze der Moral

Im Gespräch mit Peter Huemer in der Arbeiterkammer Wien (Wiener Stadtgespräch)  am 10. Mai zeigte sich Colin Crouch angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen sowohl optimistisch als auch pessimistisch. Optimistisch, weil er – als Bürger – Hoffnung in die Zivilgesellschaft setzt. Pessimistisch, weil er – als Wissenschaftler und im Ruhestand – durchaus auch die kritische Seite demokratischer Entwicklungen betonen möchte. Das Gespräch wurde auf Deutsch geführt, was einerseits die sonst übliche Kluft zwischen wissenschaftilchem Elfenbeinturm und Zuhörerschaft verringerte, zum anderen aber wohl auch dafür sorgte, dass einige Dinge der Lost-in-Translation-Symptomatik zum Opfer fielen.

Ein kurzer Rückblick auf das Gespräch und Crouch’s Sicht auf die Zivilgesellschaft und deren Bewegungen, polistische Tendenzen und die Instrumente, die bei einem Ausweg aus der Krise eine Rolle spielen könnten.


Sein Buch über die Postdemokratie ist eines der am meisten rezipierten Bücher der Politikwissenschaft. Crouch hob darin die Rolle von PR-ExpertInnen, die die Bühne der politischen Arena übernommen haben, hervor. In der Postdemokratie rücken im Schatten der politischen Inszenierung die Interessen der Wirtschaft in den Vordergrund. Crouch sieht hier einen direkten Zusammenhang zwischen dem Begriff der Postdemokratie und dem des Neoliberalismus. Gleichzeitig betont er aber, dass wir uns nur auf dem Weg zur dieser (Nicht-?)Demokratieform und nicht in ihr befinden, da gleichzeitig viel Aktivität in der Gesellschaft zu verzeichnen sei. (more…)