Das #govcamp startet! Die Eröffnungsreden im Wortlaut.

wm
Bildquelle: Brigitte Lutz

Mag. Wolfgang Müller, Magistratsdirektor Stellvertreter eröffnet das heute zum 6. Mal stattfindende #GovCamp. Am meisten haben sich in den letzten Jahren die Stadt Wien und die Stadtverwaltung verändert. 180 Apps mit OGD, der Zusammenschluss großer Unternehmen mit der Stadtverwaltung im Rahmen von Digital City, die partizipative Erarbeitung der Digitalen Agenda. Die Stadt Wien ist heute zu 100 % überzeugt von Partizipation – und glaubt daran. Die Digitale Agenda ist jetzt in einer neuen Phase. Es geht derzeit darum, von BürgerInnen und Wirtschaft zu erfahren, welche Apps sie sich wünschen. Wir glauben an eine Smart City. Diese kann es nur dann geben, wenn smarte Menschen smart zusammenarbeiten. Partizipation ist hierbei unerlässlich. Damit ist nicht gemeint, dass immer die Verwaltung im Lead ist und andere sich beteiligen können. Partizipation bedeutet auch, dass man sich – wie heute – auch ohne eine Agenda mit Fragen auseinandersetzt. Partizipation bedeutet auch, dass die Zivilgesellschaft selbst aktiv wird. Zu nennen ist hier etwa die Freiwilligenarbeit z.B. im September am Hauptbahnhof. Hier ist die Stadt diejenige, die partizipiert. Die Rollen sind hier anders verteilt.”Ich glaube, dass ein shared Government die Zukunft ist.”

Prof. Peter Parycek, Leiter des Departments für E-Governance in Wirtschaft und Verwaltung, Donau-Universität Krems, blickt zurück auf die Anfänge des Govcamp und weist darauf hin, dass vor 6 Jahren die Situation in Bezug auf Open Government und offene Daten eine völlig andere war. Ein interessantes Thema für eine Session wäre die Ausgestaltung weiterer Kooperationsmodelle zwischen der Verwaltung und der Zivilgesellschaft. Es können spannende Diskussionen zur Frage geführt werden, wie die Strukturen der Verwaltung und der Zivilgesellschaft gut ineinander greifen können.

Mag. Peter Kühnberger, Dialog Plus, stellt die Frage nach den möglichen Auswirkungen des Internet und unterstreicht die sich dadurch bietenden Möglichkeitsräume, etwa um mit der Politik in den Dialog zu treten. Soziale Medien bieten insbesondere Möglichkeitsräume für gemeinsames Vorgehen der Verwaltung mit der Zivilgesellschaft.

Die Eröffnungsreden im Wortlaut
Rede von Dr. Peter Parycek
Rede von Mag. Wolfgang Müller

Nach einer dynamischen Vorstellungsrunde werden Themen für die heutigen Sessions gesammelt. Vorgestellt werden u.a. folgende Inhalte:

gov_camp_logo

Das #govcamp startet! Die Eröffnungsreden im Wortlaut.
User Experience User Research (S. Murth)
Off-/Online-Teilhabe in der Zivilgesellschaft (U. Seethaler)
Re:Think Austria (A. Kovar, M. Tesslaar)
#GovCamp: Spielifizierte Beteiligung (S. Thiel, M. Sachs)
Regierungsprogramm #rotgrün: Kap. 11 (P. Kühnberger, M. Mock)
#Wien2020  als Musterbeispiel der Transparenz (A. Surowiec)
DIY und DIT Demo?kratie Repair-Café (@igdemokratie)
Digitale Agenda Wien: jetzt wird’s konkret! (M.l Hagler)
Stammtisch 3.0 Dynamic Facilitation Bürgerrat
Public Transport Data (R. Harm, S. Hauk, D. Blauensteiner)
Open Data und Genealogie (M. Eisenriegler)
Qualität und Usability von offenen Daten (J. Höchtl)
Digitaler Wandel und Politik # besserentscheiden (A. Kovar)

Mag. Wolfgang Müller

Magistratsdirektor-Stv. Wolfgang Müller im Wortlaut
Verehrte Damen und Herren, mein Name ist Wolfgang Müller. Ich bin hier im Haus der Stellvertreter des Magistratsdirektors und der zuständige Direktor für Organisation, IT und Sicherheit. Ich habe heute die Ehre, sie sehr herzlich im Namen unseres Magistratsdirektors und auch unseres Bürgermeisters Dr. Michael Häupl sehr herzlich zu begrüßen.

Ich möchte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Haus begrüßen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wien, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich, aus den anderen Bundesländern aber auch diejenigen, die aus dem deutschsprachigen Ausland zu uns gekommen sind. Und im Besonderen möchte ich… „Our special welcome goes to our guest from the United Kingdom“: Herzlich willkommen!

Meine Damen und Herren, das GovCamp Vienna 2015 findet nun mehr zum sechsten Mal statt – diesmal unter einem bisschen einen anderen Namen. Wir haben begonnen mit Gov 2.0. Dann kam 3.0, dann kam 4.0. Also, 4.0 ist also das, was jetzt sozusagen der Durchschnitt ist. Ich habe schon gehört 5.0 und 6.0. Deswegen haben wir uns – 7.0 weiß ich noch nicht, was das genau sein wird – entschlossen, das ein bisschen anders zu nennen. Ich habe ein bisschen zurückgeblickt und geschaut, was sich seit 2010 eigentlich entwickelt hat. Und, bitte verstehen sie das jetzt nicht falsch und egozentrisch: Ich habe eines festgestellt, dass wir uns am meisten verändert haben. Die Stadt, die Stadtverwaltung – und ich hoffe, zum Positiven.

Was meine ich damit? Am Anfang, beim ersten Mal, haben wir noch überlegt, wie das werden wird, was könnte das sein. Brauchen wir da Konzepte. Denn sie wissen ja, die traditionelle Art der Partizipation ist ja die, dass man vorher schon ein fertiges Konzept hat und dann versucht, die Leute irgendwie dort hin zu bringen, dass das genau rauskommt. Was nie funktioniert. Und dann fängt man sich zum Fürchten an. Und ein bisschen war das auch historisch gesehen so ein Teil unseres Mindsets. Wir haben dann beschlossen, dass wir das ein bisschen anders anlegen.

Wenn ich mir anschaue, was da bei Open Government Data passiert ist. Was da auch an Gemeinschaft, an Community und an Ergebnissen entstanden ist: 180 Apps. Wenn ich mir die Digital City anschaue – das ist unsere Initiative gemeinsam mit der Wirtschaft, mit den IT-Unternehmen… Das ist für mich ganz etwas Besonderes. Weil dann haben diejenigen, die eigentlich im Wettbewerb stehen, nämlich die Unternehmen, viele große Unternehmen beschlossen, dass sie etwas gemeinsam machen. Gemeinsam mit uns für den Standort. Wenn ich mir die Digitale Agenda ansehe. Also die IT-Strategie der Stadt – sowohl für die Stadt als auch für den Standort, die ja partizipativ und gemeinsam erarbeitet worden ist, dann sieht man schon, dass sich da vieles bewegt hat.

Wir sind heute 100 %ig von Partizipation überzeugt. Das ist uns wirklich wichtig. Und wir glauben dran. Und gerade bei der Digitalen Agenda sind wir seit letzter Woche in einer neuen Phase: Wir haben jetzt wieder zu einem partizipativen Prozess aufgerufen, wo es um die Entwicklung von optimalen City-Apps geht. Wo es darum geht, von ihnen zu erfahren, was sie sich eigentlich wünschen: Wo soll es in welcher Form Services geben, wie kann das modern funktionieren. Wie kann das anders sein? Wie kann das ihnen wirklich helfen? Denn das hat auch Tradition – da geht es nicht nur uns so, habe ich gelernt, sondern auch vielen Industriebetrieben. Typischerweise überlegen sich die, die keine Kunden sind, was die Kunden vielleicht wollen könnten, was man daher anbieten könnte, damit die Kunden das bekommen könnten, was sie vielleicht wollen könnten. Und das glauben wir nicht, dass das für uns der richtige Ansatz ist.

Wir glauben einfach, eine Smart City – und Wien möchte eine Smart City sein – kann es nur dann geben, wenn smarte Menschen smart zusammenarbeiten. Und daher ist Partizipation unerlässlich. Meine Damen und Herren: Partizipation heißt nicht, dass immer die Verwaltung im Lead ist und die anderen halt auch mitmachen können. Das ist nicht Partizipation. Partizipation heißt, dass man gemeinsam und manchmal auch ohne eine fixe Agenda – so wie heute zum Beispiel – sich mit diesen Fragen auseinandersetzt.

Wir haben in den letzten Wochen aber auch erleben können, dass es ganz anders funktionieren kann. Für mich auch neu – im Rahmen der Flüchtlingskrise. Der Situationen, die wir auf den Bahnhöfen hatten, wo es am Westbahnhof eher traditionell unter der Führung der Caritas gelaufen ist. Während am Hauptbahnhof die Zivilgesellschaft selbst aktiv geworden ist. „Emerging“, wie man im neudeutsch sagt: Einfach begonnen hat zu arbeiten. Zuerst haben wir einmal geschaut und dann haben wir festgestellt, dass das super funktioniert. Es war hochprofessionell. Eine tolle Leistung. Im September 109.000 Stunden Freiwilligenarbeit am Hauptbahnhof. Das war gewaltig. Und da haben wir festgestellt: Moment einmal, das ist ja eine umgekehrte Partizipation. Da macht die Zivilgesellschaft, so eine Art Governance-Startup, wenn man so will. Und die Stadt partizipiert, sie unterstützt. Sie ist Teil davon.

Das hat für uns auch ein neues Denken in Verständnis von Partizipation gebracht. Dass es eben Teile, Aufgaben und auch manchmal Entwicklungen gibt, wo die Rollen vielleicht einmal ganz anders verteilt sind. Ich sage das hier deshalb, weil ich glaube, dass das die Zukunft ist: Ein Shared-Government. Die großen Startups, die großen Unternehmen, die unterwegs sind, die Welt erobern. In der Shared Economy, in anderen Bereichen sind alles Netzwerke. Und daher glauben wir, dass auch der Staat, die Stadt sich in Richtung eines Netzwerks entwickeln sollen. Wie das passieren wird wissen wir selber auch noch nicht 100%ig. Das muss man auch ganz ehrlich sagen. Daher brauchen wir sie, brauchen ihre Ideen, ihre Gedanken. Nur so können wir es gemeinsam schaffen, dass Wien ein bisschen persönlicher, mobiler aber auch vernetzter werden kann.

In diesem Sinne wünsche ich dieser Konferenz alles Gute, viele Ideen, intensives Arbeiten und tolle Ergebnisse. Danke schön.

Dr. Peter Parycek

Vielen Dank für die Eröffnung. Das unterstreicht die Wichtigkeit des Barcamps für die Stadt Wien. Vielen Dank auch an dieser Stelle für die langjährige Unterstützung. Vor sechs Jahren gab es noch kein Open Government, es gab noch keine offenen Daten. Die Ideen, die damals gesammelt worden sind, haben direkt in die Regierungserklärung Einfluss gefunden.

Jetzt haben wir mit Shared Government einen vielleicht neuen Ansatz. Das habe ich glaube ich aktuell noch nicht in der Regierungserklärung entdeckt. Wir können ja daran arbeiten, wie so ein Shared Government ausschauen kann. Weil wir es auch nicht wissen. Es weiß auch die Wissenschaft nicht, wie so ein Shared Government oder eine Plattform oder ein Netzwerk ausschauen kann, wo hierarchische Strukturen und Netzwerkstrukturen zusammenkommen. Insofern sind wir natürlich genauso gespannt wie sie, wie die Zukunft das dann gestalten wird.

Wolfgang Müller: Es wundert mich nicht, dass Sie es nicht gefunden haben. Es findet sich nämlich sogar ein Punkt in der Regierungserklärung. Aber nicht in der IT, nicht im Teil Partizipation, sondern im Teil Sicherheit. Weil die „Train of Hope“-Geschichte eigentlich ein Teil des Krisenmanagements war und wir den Auftrag bekommen haben zu überlegen, wie das optimal funktionieren kann und wie wir mit solchen Initiativen der Bürgerinnen und Bürger, der Zivilgesellschaft optimal kooperieren können.

Peter Parycek: Damit hätten wir das erste Thema, das wir in einen der Sessions bearbeiten könnte: Wie könnte das ausschauen und wie könnte das in anderen Bereichen ausschauen. Krisensituationen sind immer ein ganz guter Anlass um gewisse Dinge auszuprobieren und auszutesten. Also „Emerging“ – sehr direkt – entstehen, ohne dass man das vorher initiiert hat. Wie man davon jetzt lernen könnte, ist sicherlich einer der ganz spannenden Diskussionen um es dann in auch in anderen Bereichen vielleicht etwas gesteuerter einsetzt um zu sehen, wie Strukturen der Zivilgesellschaft und der Verwaltung gut ineinandergreifen können. Das ist sicher einer der ganz ganz spannenden Fragen.

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