Qualität von offenen Datenportalen [WISSEN]

Ein WISSEN-Artikel von Johann Höchtl (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)

Offene Daten wurden und werden zunehmend zu einer wichtigen Ressource. Einerseits für die Verwaltung, die selbst Datenbereitsteller ist und sich damit transparent und offen darstellen möchte, darunter fallen Daten der Budgeterstellung, Ergebnisse von Gemeinderatswahlen, Förderberichte oder Gehalts- und Entlohnungsansätze von Verwaltungsbediensteten.

 

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Abb. 1: Infografik zu den Zielen des Mission Statements der Sub-Arbeitsgruppe Qualitätssicherung von Open Data Portalen

 

Diese Art von Daten sollen es den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, sich über die Arbeit der Verwaltung ein Bild zu machen, deren Tun zu kontrollieren und in Beteiligungsverfahren durch zusätzliche Informationen einen qualitativ höherwertigen Beitrag leisten zu können. Ein weiterer Anwendungsbereich offener Daten ist als Quelle für Wirtschaftstreibende, die die Daten als Ausgangsbasis für neue oder verbesserte Dienstleistungen nutzen können. Diesem Anwendungsfeld wird großes Potential ausgesprochen, die von 2010-2014 zuständige Kommissarin zur Umsetzung der Digitalen Agenda Neelie Kroes spricht in diesem Zusammenhang von Daten als das Öl des 21. Jahrhunderts.

Um dieses Potential zu schöpfen müssen noch wesentlich mehr Daten in hoher Qualität veröffentlicht und diese durch die DatennutzerInnen mit intelligenten Auswertungsmethoden analysiert werden. Die Cooperation OGD Österreich hat dazu eine Sub-Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit Qualitätsdimensionen offener Daten auseinandersetzt. Dazu gehört der Qualitätsaspekt der Beschreibung von Daten (Metadaten) als auch die Daten selbst (siehe Abb. 1). So steigt die Nutzbarkeit von Daten wesentlich, wenn Beispielsweise die Felder von CSV Dateien ausführlich beschrieben sind, die Dateien selbst eine einheitliche Struktur aufweisen und Datenfelder wie Datums- oder Ortsangaben in einer einheitlichen und maschinenverarbeitbaren Form angegeben werden. Zukünftig ist es denkbar durch semantische Technologien und mit Einbeziehung des Wissens der DatennutzerInnen auf einem Open Data Communityportal noch mehr an nützlichen Hintergrundinformationen den Daten zu hinterlegen um diese auch für Nicht-TechnikerInnen einfacher zu erschließen (siehe Abb. 2).

 

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Abb. 2: Die Grafik bietet einen Überblick zum Open Data Big picture, den Stakeholdern, Informationsflüssen und Angriffspunkten für Qualitätsmaßnahmen. (Quelle: data.gv.at)

 

Warum ist das Thema Qualität von offenen Daten für das Zentrum interessant?

Das Zentrum für E-Governance forscht seit 2006 intensiv an einer transparenten und partizipativen Verwaltung. Das Thema Open Data hat mit der Gründung der Cooperation OGD Österreich, bei der das Zentrum Gründungsmitglied ist, wesentlich an Stellenwert in Forschung und Beratung gewonnen. War es in der Vergangenheit die Frage, wie man die Verwaltung zur Öffnung von Daten motivieren kann, steht heute die Etablierung von Veröffentlichungsprozessen und die Ausdehnung des Konzepts Open Data auf Daten der Wirtschaft im Vordergrund.

Warum ist das Thema für mich interessant?

Ich bin seit 2004 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Donau-Universität Krems tätig. Mit dem Ausbildungshintergrund Wirtschaftsinformatik ist mir die Verknüpfung von Technik und Menschen und den damit entstehenden Fragestellungen wie Usability, die Auswirkungen der allgemeinen Verfügbarkeit von Internet sowie die Vernetzung von Dingen ein besonderes Anliegen. Durch den Einsatz von Technik ermöglichte Effizienzsteigerungen können sich nur durch intensive Zusammenarbeit ermöglichen, ein Umstand, der für die Verwaltung eine besondere Herausforderung darstellt. Nachdem Paradigmenwechsel in der Netzwerkgesellschaft stark von Technik getrieben sind und Technologie eines meiner besonderen Interessengebiete darstellt, ist das Thema Open Data aktuell für mich von besonderer Bedeutung. Durch meine Vorarbeiten an einem Werkzeug zur automatisierten Kontrolle der verfügbaren Ressourcen auf data.gv.at und Checks der Metadaten bezüglich der Einhaltung der Metadatenkonvention wurde ich zum Vorsitzenden der Qualitäts-Subarbeitsgruppe der Cooperation OGD Österreich bestimmt. Gemeinsam mit Partnern von der Wirtschaftsuniversität und der Stadt Wien wurde ein Mission Statement verfasst, dass die Ziele der Arbeitsgruppe beschreibt.

Ziele

Ziel der Arbeitsgruppe ist es durch Bereitstellen guter organisatorischer Praxis (Prozesse und Verständnis), technische Werkzeuge (Kontrollen bei Dateneingaben und automatisierte Datenverbesserungen) sowie communitygetriebene Ansätzen (Datenportal, auf dem Datensätze bearbeitet, kommentiert und mit semantischen Annotationen versehen werden können) die Qualität von Daten auf offenen Datenportalen zu verbessern. Die skizzierten Verfahren und bereitgestellten Werkzeuge sollen die Arbeit von Datenlieferanten jedenfalls vereinfachen und nicht erschweren.

Veränderungen und Ausblick

Höhere Qualität stärkt das Vertrauen jener, die neue und innovative Lösungen auf Basis offener Daten kreieren. Verbunden mit zu erwartenden gesetzlichen Änderungen, die Transparenz und Offenheit nachdrücklich als Prämisse der Verwaltung etablieren, eine Förderlandschaft, die Forschungsergebnisse standardmäßig als offen forciert und ein Wirtschaftssystem, das offene Innovation annimmt, wird offene Daten von Wirtschaft und Verwaltung zur unerschöpflichen Quelle der Informationsgesellschaft machen.


Literatur und Links

[1] H. W. Chesbrough, Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology, 1st ed. Mcgraw-Hill Professional, 2006.
[2] R. Kitchin, The Data Revolution: Big Data, Open Data, Data Infrastructures and Their Consequences. SAGE Publications Ltd, 2014.
http://data.gv.at
http://opendataportal.at

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