ISPRAT Konferenz, Freitag 26. 9. 2014

Am Freitag den 26.9.2014 fand an der Donau-Universität Krems eine ISPRAT-Konferenz statt. Experten aus der Forschung und hochrangige Entscheidungsträger aus der Verwaltung trafen einander um neue Forschungsergebnisse zu diskutieren und aktuelle Entwicklungen zu analysieren.


isprat krems 2014

Pragmatisches Open Government

Mag. Dr. Peter Parycek, MAS MSc (Donau-Universität Krems)

Die digitale Netzwerkgesellschaft fordert Offenheit, Nachvollziehbarkeit, Beteiligung und Kooperation während die Verwaltung geprägt ist von klassischer Hierarchie. Mit diesem Spannungsfeld zwischen Netzwerken und Hierarchien beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der ISPRAT. Gemeinsam (top-down vs. bottom-up) mit der Verwaltung werden akteursorientierte Strategien für sämtliche Ebenen der Verwaltung, von der strategischen Ebene (Politik) von der Ebene der Umsetzung bis hin zur Abteilungsebene mit dem einzelnen Sachbearbeiter bzw. der Referentin entwickelt.

Die Projektphasen gliedern sich in

  • die Analyse von Fokusgruppen
  • die Ableitung von Empfehlungen aus Workshopergebnissen
  • die Validierung der erarbeiteten Empfehlungen und
  • die Erprobung mittels Anwendungsszenarien.

In Bezug auf Offenheit und Partizipation sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Strategie muss von der Politik kommen und getragen werden
  • alle gesellschaftlichen Gruppen müssen integriert werden
  • Asymmetrie der Betroffenheit – einige Betroffene organisieren ihre Beteiligung besser
  • Datenhoheit der NutzerInnen

Ergebnis aus dem Workshop ist die Forderung, dass (politische) Verantwortung übernommen werden muss, ausschließliche Initiativen der Verwaltung reichen nicht aus: Das Silodenken der der Verwaltung muss durch politischen Willen gelöst werden. Allerdings ist aktuell die politische Relevanz von Offenheit und Partizipation – sieht man von Ausnahmen wie Hamburg oder Wien ab – eher begrenzt. Notwendige Voraussetzungen dazu wären strategische Offenheit und die Ausführung der wirkungsorientierten Verwaltung.

Wie sollen Kooperations- und Beteiligungsprozesse gestaltet sein? Diese Antwort auf diese Fragestellung wird  von der föderalen Ebene beeinflusst. Instrumente dazu sind zentrale, vertikal und horizontal vernetzte Register und die Nutzung externer Ressourcen zur Erreichung konkreter Ziele.

“E-Government ist eine Schönheit, die von innen kommen muss.”

Open Data Analytics as a Service – ODAaaS

Dr. Stephan Gauch (Fraunhofer FOKUS)

“Von Big Data zu Smart Data”. Die Verwaltung arbeitet mit einer Unmenge an Daten, eber es  fehlen zentrale Dienste diese zu nutzen (Datenanalyse). Dabei sollen auch nicht wissenschaftliche Personen ermutigt werden, ihrem Forschungsinteresse nachzugehen und der Wissenschaft bereitgestellt werden.

Um qualitativ relevanten Analysen zu erhalten sind die Aktualität und Verfügbarkeit der Daten wichtig. Organisatorische Probleme sind die Bereitstellung der Daten abseits des Datenportals sowie Datenbereinigung. Eine Cloud könnte das Problem lösen, wobei bestimmte Programme in der Cloud selbst ausgeführt werden. Als Ergebnis könnte ein Daten- und Dienstemarktplatz entstehen.

Herausfordernd ist die Einstellungen nach einer “One size fits all” – Lösung: qualitativ hochwertige Analyseergebnisse sind auf dieser Grundlage nicht möglich.

 

Das Spannungsverhältnis von staatlicher Arkantradition und Open Data

Dr. Sönke Schulz (Lorenz‐von‐Stein‐Institut)

Open Data steht der “Arkantradition”, also dem Prinzip der Verwaltung nach Verschlossenheit, gegenüber. Seit 2011 sind in Deutschland neue gesetzliche Grundlagen betreffend Transparenz entstanden, das Hamburger Transparenzgesetz dient hier als Vorbild und erzeugt Druck auf weitere Bundesländer nachzuziehen. Eine eingehende und kritische Analyse der Zielsetzungen ist jetzt notwendig um ein langfristig stabiles Transparenzgesetz, das individuelle Gegebenheiten adäquat berücksichtigt, zu schaffen.

Der Entwurf der nationalstaatlichen (deutschen) Implementierung der PSI-RL in Form des Informationsweiterverwendungsgesetz (“IWG neu”) steht im Widerspruch zum Willen der EU-Direktive: Bei der EU-Direktive steht der Grundsatz der Weiterverwendung im Vordergrund. Nicht weiterverwendet sollen Daten dann werden, wenn der Zugang dazu rechtlich ausgeschlossen ist. Beim IWG neu ist der Standard geschlossen. Die Daten sind von der Verwaltung in einem ersten Schritt zugänglich zu machen.

Kritiker sind der Meinung, dass der Zugang zu Informationen i.S. der Direktive durch die EU nicht geregelt werden kann – sie tut es aber auch nicht. Die Kompetenz, den Zugang zu Informationen zu regeln, verbleibt bei den Mitgliedstaaten, der Schutz der staatlichen Willensbildung soll nach Möglichkeit gewahrt bleiben: Personenbezogene Daten sollen nicht veröffentlicht werden; Geschäftsdaten je nach Einzelfall. Wobei es ein Recht auf den Schutz staatlicher Willensbildung grundsätzlich nicht gibt: Auch im rechtlichen Rahmen sollten Möglichkeiten für Ausnahmen bestehen bleiben.

Weitere rechtliche Herausforderungen stellen unterschiedliche Auffassungen der Maschinenlesbarkeit von Informationen dar, so definiert das E-Government-Gesetz des Bundes Maschinenlesbarkeit anders als das IWG-Neu.

Bürgerbeteiligung 2.0 – Serious Games und Social Media als IT-gestützte Anreizsysteme für die „Piraten“‐Generation am Beispiel Konversionsflächen der Stadt Darmstadt

Dr. ‐Ing. Florian Mehm (TU Darmstadt)

In seinem Vortrag geht Dr. Mehm der Frage nach ob ein “Videospiel” ein tauglicher Ansatz für die Motivation zur Bürgerbeteiligung ist. In einem browser basierten “serious game” wurden Konzepte mit niedrigen Einstiegshürden bei einer Zielgruppe von 12-18 jährigen gestestet. Herzstück des spielerischen Aspektes ist eine 3D Ansicht des Projektes (z.B. Skateparks, Spielplätze, etc…).

Zielgruppe sind technik-affine, im Einsatz von neuen Medien geübte Personen wie die Zielgruppe “Piraten”, “FB-Generation” und “Digital Natives”.

Als Einsatzszenario diente die Verwendung einer freien Fläche in Darmstadt. Die Plattform listet Projekte auf an welchen sich die UserInnen beteiligen oder eigene Projekten anlegen können, die durch andere PlattformbenutzerInnen bewertet werden.

In der folgenden Diskussion wurde kritisch angemerkt, dass beim Einsatz von Serious Games in Dänemark Vandalen Städte zerstörten, anstatt neues und kreatives zu schaffen.

Verwaltung 2.0

Prof. Dr. Helmut Krcmar (TU München)

Open Government ist ein Vehikel um Reformdruck zu erhöhen und die Wertschöpfung durch die Vernetzung von Verwaltung, Wirtschaft und privaten Akteuren zu steigern. Bisher wurden Open Data Portale unter Exklusion der Stakeholder Top-Down eingeführt. Krcmar schlägt hingegen ein operatives Klassifikationsschema vor, das nach Analyse verschiedener Sichtweisen (Anbietersichtweise – Stakeholdersichtweise) den funktionalen Entwurf eines Open  Data Portals ermöglicht.

Der Nutzen von offen Daten setzt eine geeignete Aufbereitung voraus, hinsichtlich der Form der Veröffentlichung und der Aufbereitung der Daten findet gerade ein Änderungsprozess statt. Daneben ist die Nutzbarkeit von Daten auch eine Frage des Vertrauens.

Handlungsvorschläge zur erfolgreichen Implementierung von Open Data Portalen sind:

  • Kultureller Wandel hin zu Open Data
  • Einheitliche, landesweite Strategie
  • Vereinfachung der Open Data Aufbereitung und ähnliche Standards auf allen Ebenen

 

Soziale Medien in Politik und Verwaltung

Prof. Dr. Christian Hoffmann  (Universität St. Gallen)

Was bedeutet Government 2.0 in der Praxis und was bedeutet es für Politik, Verwaltung, Bürger? Eine Studie zur Verwendung von Sozialen Medien durch Politiker zeigt, dass wenige sehr aktiv sind, einige sich auf diesem Weg ein bisschen einbringen und viele diesen Kanal nicht nutzen. In der Regel sind Abgeordnete linker Fraktionen aktiver als Abgeordnete rechter Fraktionen. Vor allem das Alter spielt eine Rolle, wobei jüngere aktiver sind. Mehr als die Hälfte kümmert sich stark um die eigenen Profile in den Sozialen Medien. Es geht vor allem um die eigene Darstellung.

Gründe zur Nutzung sind:

  • Parteigröße, Ressourcen, Opposition/Regierung, etc.
  • Wenn die eigenen Wähler (der Wahlkreis) sehr aktiv is.
  • Alter, Geschlecht und ideologische Distanz zur eigenen Partei.

In der Verwaltung werden Soziale Medien in der Arbeit (bzw. dienstlich) noch sehr wenig verwendet, während Beamte diese sehr wohl privat in der Freizeit nutzen. Für die Nutzung in der Arbeit sind die Führung, das Umfeld/Team und die eigene Einschätzung der Kompetenz relevant.

Die Internetnutzung hat bereits in etwa 80 % der Bevölkerung erreicht. Doch was machen die Bürger dort? Ca. 10 % sind sehr aktiv, ca. 20 % sind manchmal aktiv und der Rest ist meist passiv unterwegs; wobei dies alle Aktivitäten betrifft, und nicht nur den politischen Kontext. Politische Beteiligung ist ein marginales Phänomen und wird dies vermutlich auch im Internet bleiben. Für einige wenige werden sich die Beteiligungskosten reduzieren um aktiv zu werden. Für die meisten wird sich das aktive Interesse an Politik nicht gravierend durch neue Beteiligungsformen ändern.

 

Ein soziales Netzwerk als internes Kommunikationsmittel für die öffentliche Verwaltung

Saskia Fritzsche (Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer), Heiko Hartenstein (Fraunhofer FOKUS)

Ziel sind übergreifende, effizienter gestaltete Kommunikation und Informationsaustausch. Anwendungsszenarien in Deutschland für verbesserte interne Kommunikation über soziale Netzwerke sind zB. die Umsetzung des Bildungspaketes, SEPA-Migration des nationalen Zahlungsverkehrs, E-Government-Gesetzgebung der Länder.

Um nach außen kommunizieren zu können muss dies erst intern erlernt werden. E-Government soll von innen nach außen wachsen. Die Funktionen für internen Nutzung sind viele: Kontakt-, Kooperations-, Wissensmanagement, etc. (vgl. Enterprise 2.0). Organisatorische und kulturelle Rahmenbedingungen sind in der Veraltung vermutlich noch stärker zu berücksichtigen als in der Privatwirtschaft. Rechtliche Regelungen sind in der öffentlichen Verwaltung von besonderer Relevanz.

Für sämtliche Funktionalitäten, die soziale Media anbieten, gibt es noch keine Interoperabilitätsstandards. Es gibt bereits Bestrebungen zB. von W3C. In einer Gesamtarchitektur sollen weitere mögliche Entwicklungen bereits abgedeckt werden.

Informierter Bürger trifft  zuständigkeitsorientierte Verwaltung

Sarah Schmitt (Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer), Sirko Hunnius (IfG.CC)

Kerninteresse der Studie war der Kontakt zwischen Bürger und Verwaltung. Wie wird IT im persönlichen Kontakt genutzt? Der informierte Bürger ist schwer zu finden. Bürger informieren sich oft in Foren, wo Information nicht auf den jeweiligen Fall zutrifft oder falsch ist. Im Bereich des Bürgerservice zB. finden sich die Verwaltungsbeamten nicht einem hoch vorinformierten Bürger gegenüber. Auch sind die meisten Verfahren bereits hoch standardisiert, wodurch Verfahren mit wenigen Fragen abgewickelt werden können. Im Bereich der Waffenerlaubnis jedoch sind die Bürger, die sich um Waffenbesitz bemühen, sind meist die Antragsteller besser über die Waffen informiert als der Beamte, die oft auch für andere Bereiche zuständig sind. Hier wird die Entscheidungsfindung schwieriger. Dort wo Informationstechnologie tatsächlich verwendet wird, ändert sich die Rolle des Verwaltungsbeamten vom Informationsgeber zB. zum Informationslotsen.

„Desktop as a Service“ als kritische Infrastruktur

Prof. Dr. Roman Beck (Universität Frankfurt und IT University of Copenhagen)

Desktop as a Service (DaaS) bietet eine Remote-Desktop-Umgebung bei der Daten und Anwendungen zentral auf virtuellen Servern in der Cloud durchgeführt werden.  Eigenschaften von kritischen Systemen, die als nützlich angesehen werden, unterstützen insbesondere weniger achtsame Mitarbeiter. Bei hoher organisatorischer Achtsamkeit schärfen nürtzliche neue kritische Systeme die Anwender; jedoch nicht notwendigerweise deren Nutzungszufriedenheit erhöhren.

 Prof. Dr. Beck stellt seine Präsentation sehr gerne auf individuelle Anfrage zur Verfügung

Mobilisierungspotentiale von Verwaltungsprozessen

Marlen Jurisch (TU München), Ekkart Kleinod (Fraunhofer FOKUS)

Es gibt noch keine flächendeckende Verwendung von mobilen Geräten in der Verwaltung. Oft sind es sSpeizialgeräte mit hohen Kosten. Es gilt nun die Mobilisierungspotenziale für verwaltungsinterne und veraltungsexterne Prozesse zu erforschen und zu erproben.

Mobile Applikationen bieten hier neue Möglichkeiten, die bereits auch im Einsatz sind. Best Practices sind sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern zu finden, von denen gelernt werden kann und soll. Für Behörden ist zB. generell Mobile-Device-Management relevant. Es sollte zentralisiert festgelegt werden, wer dafür verantwortlich ist.

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