Interview zu Open Government Data am Open Data Dialog Berlin

Pi Radio ist ein privater Radiosender, der Berliner Stimmen und ihre Musik immer Mittwoch und Donnerstag ausstrahlt. Neben dem Musikprogramm kommen dabei aktuelle gesellschaftspolitische Themen nicht zu kurz. Anlässlich des 2. Open Data Dialogs vom 18. bis 19. November veranstaltet von Fraunhofer FOKUS in Berlin fand ein Interview unter anderem mit Johann Höchtl statt, dass Ende Jänner 2014 ausgestrahlt wurde und hier nachzuhören ist.

Einige Ausschnitte aus dem Interview:

F: Welche Verbindungen bestehen zwischen Datenschutz und offene Verwaltungsdaten?

A: Die schnelle Antwort lautet, dass offene Daten der Verwaltung niemals einen direkten Personenbezug haben. Die Befürchtung, seine eigenen Personendaten im Netz als Open Government Data zu finden sollte daher unbegründet sein. Andererseits sind auf Datenportalen Daten verfügbar, die bisher durch Verwaltungsgrenzen getrennt waren. Mit Hilfe von Raster- und Korrelationsansätzen können daraus Informationen gewonnen werden, die zuvor nicht verfügbar waren. Ob diese Informationen einen Personenbezug ergeben, hängt vom Detailgrad des Ausgangsmaterials ab.

F: Welchen Stellenwert hat Open Government Data als Vehikel der Verwaltungsreform. Verschlankung des Verwaltungsapparates und vermutete zahlreiche Anfragen zu den Daten – wie passt das zusammen?

A: Bereits die Dienstleistungsrichtlinie hätte als Anlass genommen werden können, Verwaltungseinheiten informationstechnologisch aufzurüsten und damit zu einer intensiveren Zusammenarbeit zu gelangen. Open Government Data ist jetzt ein erneuter Anlass zur IKT-Aufrüstung. Die immer enger werdenden finanziellen Mittel werden dazu beitragen, dass Abteilungen durch IKT-Maßnahmen virtualisiert werden und zusammenarbeiten müssen.

F: Transparenz und Partizipation. Warum eigentlich?

A: Die Verwaltung in ihrer Funktion Gesetze zu exekutieren ist Monopolist und Monopolisten haben spezielle Verpflichtungen ihre Leistungen zu argumentieren. Open Government Data kann dadurch zu Transparenz beitragen. Bezüglich Partizipation dürfen offene Verwaltungsdaten von der Verwaltung nicht als Argument herangezogen werden um zu argumentieren, dass sie ihren Anteil an der Erreichung von Partizipation mit dem online-stellen von Daten erfüllt hat. Andererseits ist der Anteil jener der Bevölkerung, die aktive Partizipation sucht, ein geringer und die Erledigung der Verwaltungsagenden wird als Aufgabe der Verwaltung angesehen. Daten werden dazu beitragen, dass Partizipation qualitativ durch einen informierteren Diskurs steigen wird.

F: Man könnte behaupten, dass Open Government Data ein ökonomisches Projekt sei, dass nur Softwareentwicklern hilft. Ihre Position dazu?

A: Eine Umfrage 2012 / 13 (https://open.wien.at/site/wp-content/blogs.dir/5/files/2013/06/od-evaluation-2012.pdf) hat ergeben, dass Softwareentwickler noch sehr zögerlich und anlassbezogen offene Daten in ihren Werterstellungsprozess integrieren. Eine erneute Erhebung im Herbst 2013 machte dieses Potential schon deutlicher, es gibt jetzt erste ganz konkrete Umsetzungen, hinter denen auch die wirtschaftlich erfolgversprechenden Konzepte liegen. Ob diese Umsetzungen einen gesellschaftspolitischen Einfluss haben werden und / oder sich auf politische Prozesse auswirken werden ist offen. Offene Daten werden aber sicherlich zu einem Geschäftszweig der IT-Branche aufsteigen.

Gesamtes Interview unter http://cba.fro.at/253472

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