BRZ E-Government Konferenz 2013

Heute (3. Dezember 2013) findet in der Hofburg in Wien die BRZ- E-Government Konferenz 2013 statt. Um 14:00 startet der Tag mit einer Begrüßung durch DI Roland Jabkowski (CEO BRZ), Dr. Gerhard Popp (in Vertretung von Maria Fekter, BM f. Finanzen) und Mag. Georg Schöppl (Aufsichtsratsvorsitzender BRZ).

Unter dem Motto „Zukunft heißt Kooperation“ werden auf der diesjährigen Konferenz gemeinsam mit den KundInnen der BRZ Best Practice Beispiele und behördenübergreifende Zusammenarbeit präsentiert. Neben Vorträgen und Workshops werden Themen-Inseln zu  den unterschiedlichsten Themen-Bereichen (u.a. Finanz, Bildung, Sicherheit, ..) angeboten, welche die Breite der Zusammenarbeit im Bereich E-Government den BesucherInnen näher bringen sollen.

» Programm und Übersicht

Hier, am Blog des Zentrum für E-Governance der Donau-Universität Krems, erfolgt die Live-Berichterstattung zur BRZ E-Government Konferenz 2013. LIVE vor Ort bloggen Dr. Peter Paryczek und DI Dieter Zirnig.

Inhalt

1. Begrüßung und Introduction
2. Podiumsdiskussion
3. Themeninsel: „Crossborder Cooperation“

1. Begrüßung und Introduction

„Was früher die Dampfmaschine war, ist heute die Kooperation in digitalen Netzen

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DI Roland Jabkowski (CEO des BRZ) startet seine Begrüßung mit dem Hinweis, dass das Motto der Konferenz „Zukunft heißt Kooperation“ eine Würdigung an das österreichische E-Government sei. Als einen wichtigsten Punkt sieht er den scheinbaren Widerspruch von Kooperation und Konkurrenz und argumentiert: „Was die Dampfmaschine in der Industriellen Revolution war, ist die Kooperation in offenen digitalen Netzen von heute“. Es gilt Prozesse zu vereinfachen und ressortübergreifende Vernetzung und Zusammenarbeit zu ermöglichen. Kooperation und Konkurrenz schließen sich damit nicht aus – sie ergänzen sich.

Neben Kooperation bleibt Sparsamkeit ein treibender Faktor, die IT wird eingesetzt um die Kosten in der öffentlichen Verwaltung zu reduzieren, denn der Druck auf dem öffentlichen Budget ist größer denn je. Das IKT-Konsolidierungsgesetz wurde von der Bundesregierung geschaffen, um höchste Effizienz und Effektivität

anzustreben. Konsolidierung bedeutet nicht, das Rad täglich neu zu erfinden, sondern Synergien zu nutzen. Dem BRZ wurde dabei eine zentrale Rolle zugeordnet, dies war und ist nach wie vor nicht unumstritten. Man könnte meinen, dass dies eine komfortable Rolle ist, aber tatsächlich sei es eine große Herausforderung, weil diese Rolle nur durch Offenheit und Transparenz wahrgenommen werden kann. Die Preise konnten in den letzten Jahren trotz höherem Service reduziert werden.

„Wir legen die Karten offen auf den Tisch“, so Jabowski, der seine ersten Erfahrungen im Bereich E-Government, Zusammenarbeit und Kooperation positiv beschreibt.

Jede/r ÖsterreicherIn muss das Recht haben, mit der österreichischen Verwaltung digital kommunizieren zu können.

„Wenn ich mir die heutigen Vorträge anschaue, dann sticht mir die Zukunft des Lebens in der digitalen Welt ins Auge“, so SC Dr. Gerhard Popp. Popp spricht über ein starkes Wachstum der digitalen Signaturen und der Integration der Aktivierung der Handy-Signatur an den Finanzämtern: „Es gilt, dem digitalen Fortschritt eine Basis zu bieten.“ Steigende Zahlen im Bereich FinanzOnline geben der Investition recht. Als nächsten Schritt, so Popp, folgt die eRechnung. Ziel ist, dass die Wirtschaft einen Vorteil daraus ziehen kann: Werden Rechnungen elektronisch verschickt, führt das zu Einsparungen von errechneten 9 Mrd. Euro jährlich.

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Als weitere Punkte auf der Agenda nennt Popp, dass jede/r ÖsterreicherIn das Recht haben muss, mit der österreichischen Verwaltung digital kommunizieren zu können. Dazu muss das Vertrauen in die PartnerInnen der offiziellen Stellen gestärkt werden, denn ohne Vertrauen werden die elektronischen Dienste von niemandem wahrgenommen: „Wir müssen Beiträge für den IKT-Standort leisten“. Probleme in der Verwaltung können nicht ohne IKT-Unterstützung gelöst werden. Popp lädt daher die IKT, die Wirtschaft, die Politik und die Verwaltung ein, weiterhin und verstärkt gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

2. Podiumsdiskussion

Round Table mit führenden Vertreter/innen der Bundesverwaltung: „Zukunft heißt Kooperation: Herausforderungen für die Verwaltungs-IT“ mit folgenden TeilnehmerInnen:

  • SC Dr. Clemens Martin Auer (Bundesministerium für Gesundheit)
  • Dr. Martin Schneider (Bundesministerium für Justiz)
  • SC Hermann Feiner (Bundesministerium für Inneres)
  • SC Dr. Elisabeth Freismuth (Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung)
  • SC Dr. Manfred Matzka (Bundeskanzleramt)
  • SC Dr. Gerhard Popp (Bundesministerium für Finanzen)
  • BL Mag. Heidrun Strohmeyer (Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur)

IMG_20131203_144004Mag. Heidrun Strohmeyer: „80% der Schulen haben bereits digitale Lernplattformen” (Moodle, etc.) angenommen.“ Dabei geht es aber nicht um die Spiegelung des Klassenzimmers in Facebook, sondern um die gezielte Nutzung von  vorhandenen Lernplattformen die vom Bildungsministerium angeboten werden. Inhaltlich ist ein wesentliches Ziel, Beteiligungsprozesse in den Lernprozess zu integrieren. Medienkompetenz zu vermitteln, ist inzwischen als zentrale Aufgabe von Schulen zu verstehen.

Die ausgearbeiteten Angebote des Ministeriums werden von den LehrerInnen und den Schulen durchaus angenommen: 80% der Schulen nutzen aktuell beispielsweise Werkzeuge wie die Lernplattformen Moodle. Aus der EU kommt eine starke Empfehlung, in der Lehre IKT integrativ einzusetzen und freie Inhalte zu nutzen – Open Education Ressources lautet der entsprechende Begriff. IT ist ein Querschnittsthema und daher kooperativ zu führen.

Dr. Gerhard Popp: „Jeder Bürger soll über Finanzwissen Bescheid wissen.“ Über 23.000 Likes hat das Finanzamt auf Facebook, wie Popp selbst als für ihn überraschend erwähnt. Eines der Ziele für das Finanzamt in Bezug auf die Facebook-Präsenz ist es, ein breiteres Verständnis für Finanzthemen wecken. „Wir nutzen auf Facebook die Möglichkeit, unseren Usern Grundwissen zum Thema Finanzen weiterzugeben. Das ist etwas, worüber jeder Bürger Bescheid wissen sollte”, so Popp. Ergänzend dazu stellen wir Tools oder Webprojekte zur Verfügung. “WIFZACK” ist beispielsweise ein Projekt, bei dem das Finanzministerium das Finanzwissen einfach erklärt und User für die späteren Anforderungen in der Finanzwelt vorbereitet.
Popp erklärt weiter, dass der Laptop derzeit die digitale Schnittstelle Nr. 1 sei: Mit ihm können die MitarbeiterInnen telefonieren, kommunizieren und mit anderen MitarbeiterInnen in Dialog treten. E-Mail sollte zumindest in der internen Kommunikation verschwinden und durch schnellere, zielgerichtetere Kommunikation ersetzt werden. Es braucht technische Hilfsmittel, damit Wissen zielgerichtet weitergegeben werden kann: „Wir müssen letztendlich weniger staatlich und moderner werden.“

Dr. Elisabeth Freismuth: „99% aller Anträge werden Online gestellt“ Es gibt eine steigende Anzahl von Anträgen, die elektronisch eingebracht werden: „Bei uns werden bereits 99% aller Anträge Online gestellt.“ Jeder ist selber für sein Budget – von Erstellung über Forecast – bis zum Abschluß verantwortlich. „Denn wenn ich ein Budget zur Verfügung habe, kann ich entscheiden, wofür ich das Budget einsetze”, so Freismuth. Es gilt daher rechtzeitig zu planen, den Mittelseinsatz festlegen und im Forecast sehen, wie ich mit den jeweiligen Projekten und Maßnahmen liege.

Dr. Martin Auer: „Paradebeispiel der Kooperation ist ELGA – die Elektronische Gesundheitsakte.“ „Der Gesundheitsbereich ist die Fragmentierung pur“, so Auer, der gelernt hat, dass in solchen derzeit vorhandenen fragmentierten Welten, wie sie auch im Gesundheitsbereich zu finden sind, ein Top-Down-Vorgehen gar nicht möglich ist. Es braucht Kooperation, damit Lösungen wie die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) erarbeitet werden können. ELGA ist der spielerische Weg, fragmentierte GesundheitsdiensteanbieterInnen zu integrieren. Der Vorteil liegt auf der Hand: Patienten selbst fungieren nicht mehr als Informationsdatenträger, denn Inhalte können digital zusammengeführt werden. Für Österreich beginnt am 1.1.2015 ein neuer digitaler Weg im Gesundheitsbereich. Ab dann sind Krankenhäuser nämlich verpflichtet, ELGA zu verwenden. Als nächstes großes Thema sieht Auer die Standardisierung und einheitliche Strukturierung der Daten.

Identifizierung ist im Gesundheitsbereich lebensentscheidend. Dabei ist die Sozialversicherung mindestens genauso wichtig wie das BMI. Der wahre Wert liegt jedoch in der Cross-Government-Zusammenarbeit, weil damit eine noch höhere Qualität erreicht werden kann. In Deutschland funktioniere diese Zusammenarbeit genau nicht.
Dr. Auer zeigt sich nach vielen Lernkurven darüber glücklich, dass Österreich am 1.1.2015 – als eines von wenigen Ländern –  Zugang zu den Gesundheitsdaten bekommt.

Hermann Feiner: „Das Personenbasisregister ist die Basis, wenn wir im E-Government weiterkommen wollen.“ Ab 2014 funktionieren zumindest der Meldevorgang und die Datenerfassung digital. No stop, lautet die Devise: „Wir lassen die Daten laufen. Und nicht die Personen im Kreis laufen.“ Mit dem Personenstandsregister kommt ein Quantensprung für das österreichische E-Government. Breit gefächerte Zusammenarbeit wird vom BMI seit Jahrzehnten gelebt und gepflegt. BMI ist zur Zusammenarbeit national und international verpflichtet. Für die kommende Legislaturperiode steht die interministerielle Zusammenarbeit auf der Agenda. Und dazu braucht es eine zentrale Identität für BürgerInnen. Dabei stellt sich die Frage wer diese Rolle übernimmt: „Wenn wir im E-Government im vorderen Bereich liegen wollen, müssen wir Obacht walten lassen, um nicht in wenigen Jahren wieder weg vom Fenster zu sein..“

Dr. Manfred Matzka: „Mein Social Network ist der ELAK“ Die Regierung legt großen Wert darauf, dass die Jugendlichen im digitalen Bereich top ausgebildet sind – so weit die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht dabei lautet: Dieser Satz steht nicht im österreichischen, sondern im deutschen Regierungsabkommen. „Facebook spielt in der täglichen Arbeit nicht die übermächtige Rolle, weil“, so Matzka „mein Social Network ist der ELAK“.

Die Regierung wird stärker auf Offenheit und Transparenz setzen. Es gilt, Kooperationsbeziehungen mit BürgerInnen einzugehen und aufzubauen und deren Ressource im Sinne von Crowdsourcing zu nutzen. Zusätzlich geht es aber auch um die Stärkung der Demoktarie durch Technologie im Sinne der E-Democracy. Wissen und Wille der Unternehmungen soll für die Verwaltung genutzt werden.
Das Netz ist föderal übergreifend und das Netz kann Wissensmanagement übergreifend ermöglichen. Der Einsatz solcher Services verflacht Hierarchien.

Dr. Martin Schneider: „Wir arbeiten an Justiz 3.0“ Bereits 1990 wurde der elektronischen Rechtsweg eingeführt und damit in Europa eine Vorreiterrolle eingenommen. „Auf diesem Weg sind wir auch heute international führend“, so Schneider, und weiter: „Im Rahmen eines EU-Projekts konnten unsere Daten auf eine europäische Plattform exportieren. Damit können wir gemeinsame Verfahren, wie die Eintreibung von Geldforderungen realisieren.“

In Arbeitsgruppen wird derzeit am Projekt Justiz 3.0 gearbeiten, dem zukünftigen Arbeitsplatz der RichterInnen und der Justiz. Dabei werden Ziele für 2020 ausgearbeitet, die in kleinen Schritten realisiert werden sollen. Eine große Rolle spielen auf diesem Weg Collaboration-Tools sowie Mobiles Arbeiten. Bei Justiz 3.0 arbeitet eine breite Stakeholdergruppe, bestehend aus VertreterInnen der verschiedensten juristischen Organisationen, an einem gemeinsamen Konsens. Ein Teil davon ist ein elektronischer Verhandlungssaal oder die Visualisierung von Inhalten, denn eine Urkunde oder ein Dokument soll letztlich von allen gesehen werden können.

3. Themeninsel: „Crossborder Cooperation – Status und Ausblick“

Bei einer der vielen Themeninseln wurde zum Thema „Crossborder Cooperation – Status und Ausblick“ gesprochen. Dabei wurden einige Projekte aus dem Verwaltungsbereich vorgestellt.

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TeilnehmerInnen:

  • Dipl.-Ing. Herbert Leitold (eSENS)
  • Dr. Jörg Oldag (EURITAS)
  • Linda Strick (Cloud for Europe)
  • Dr. Peter Paryczek, MSC (Moderation)

In a nutshell: Die Projekte kurz vorgestellt

EURITAS
Dr. Jörn Oldag: “EURITAS ist ein Netzwerk der europäischen Verwaltungs-IKT-Dienstleister, die sich zusammengeschlossen haben. Das Ziel ist, über Länder hin weg viel stärker von einander zu lernen, zu partizipieren und gleichzeitig die aktuellen Themen, die aus dem EU-Kontext und der Digitalen Agenda entstehen zu unterstützen und rechtzeitiger involviert zu sein.“

eSENS
Dipl.-Ing. Herbert Leitold: „Das Projekt dient der Konsolidierung von anderen Großprojekten. Konsolidierung heißt hier nicht das Rad neu zu erfinden, sondern, Elemente, die alle Sektoren brauchen – wie elektronische Signatur, Identität, elektronische Zustellung oder elektronische Dokumente interoperabel zur Verfügung zu stellen.“

Cloud for Europe
Linda Strick: „Cloud for Europe ist ein EU-Projekt, das für den öffentlichen Sektor die Cloud-Nutzung stärken und verbreiten will.“

Kurz-Interview: Warum bringt sich das BRZ in die EURITAS ein?

Bodiroza Manoela, BRZ: „Wir finden, dass der Austausch mit anderen Organisationen, die die gleichen Rahmenbedingungen wie das BRZ haben und vor den gleichen Herausforderungen stehen, sehr wichtig ist. Wir lernen viel von einander. Wir können von den Projekten, die die anderen umsetzen – jeder für sich – auch etwas gewinnen. Und gerade dieser Know-How-Transfer zwischen Experten auf verschiedensten Fachebenen ist sehr wichtig.
Und das Wissen, das so auf dem Markt gar nicht verfügbar ist, dass wir uns innerhalb dieses Netzwerks sehr gut einbringen aber auch viel von einander lernen können.“

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