Open Science Gründungstreffen, 25.2.2013

Die Open Knowledge Foundation Österreich lud zusammen mit dem Open Science Projekt zu einem ersten Treffen rund um offene Wissenschaft in Österreich ein (Raum D Museumsquartier, Wien). Die neu gegründete Open Science Local Group der OKFN ist erst die vierte Gruppe die sich explizit mit der Befreiung von Wissenschaft und Forschung auseinandersetzt, neben so klingenden Namen wie der Oxford University oder das MIT.

Ein Open Knowledge Pad ist mit Agenda und Zusammenfassung unter hier einsehbar.Twitter-Account: @OKFN @OKFNat
Facebook: http://www.facebook.com/OKFNat/info

Zentral geht es bei Open Science um die Wiederverwendbarkeit und Reproduzierbarkeit von Wissenschaft und Forschung durch die Befreiung von Wissen und das Schaffen eines transparenten Prozesses. Das Treffen war  als Vernetzungstreffen gedacht, bei dem Erwartungen und zukünftige Aktivitäten geklärt wurden. Die TeilnehmerInnen kamen aus verschiedensten Bereichen und Disziplinen, von Open Data über Open Access bis zu Netzpolitik.

Momentan gibt es verschiedene Bestrebungen aus den unterschiedlichsten Open-Bewegungen, die aber oft nicht vernetzt sind. Diese Unhomogenität ist zu Beginn nicht schlecht🙂

Open vs. ranking?

Spannend ist aber, wie man WissenschaftlerInnen davon überzeugt, abseits der gängigen Publikationswege open zu publizieren und wie man Open Access in der Wissenschaft salonfähiger machen kann (Annäherung an closed science). Problematisch ist momentan, dass Open Access-Journals momentan noch wenig Impact-Faktor bzw. niedrigeres Ranking aufweisen bzw. oft sogar als ehrenamtliche Arbeit wahrgenommen werden – Open Access ist also für viele Wissenschaftler*innen in der Praxis nicht leistbar. Andererseits haben WissenschaftlerInnen Interesse an offenen Informationen für ihre eigene Arbeit, da Open Science mehr als nur Open Access ist (umfasst auch Transparenz der wissenschaftlichen Institutionen und Forschungsergebnisse allgemein).

Open = free?

Open Science oder Open Data wird oftmals gleichgesetzt mit einem kostenlosen Zugang zu Informationen. Einerseits ist der freie Zugang zu Informationen das Minimum, wenn es um die Definition von offenen Daten geht. Andererseits werden Zugangsbeschränkungen oft auch durch andere Kategorien geschaffen (z.B. Wettbewerbsrecht). Oft wird etwas publiziert, wenn man nicht möchte, dass jemand daraus ein Patent macht (z.B. in der Pharmaindustrie, dort verhindern Publikationen Patentierungen). Ist aber Gewinnoptimierung die Aufgabe der Wissenschaft? Und würde es der Gesellschaft vielleicht einen größeren Nutzen bringen, wenn man es nicht publiziert? In anderen, gesellschaftlich relevanten Bereichen (z.B. Klimaschutz) ist Open Science auch aufgrund der Einbindung der Bevölkerung wichtig (science to public).

In der Umbruchsphase wäre auch der sogenannte „grüne Weg“ im Open Access (Selbstarchivierung, institutional repositories) eine Lösung. Auch gibt es gegenüber dem traditionellen, subscriber-Modell auch neuere Konkurrenzmodelle in der Publikationsszene, und Open Access Renommésysteme werden sich mit der Zeit etablieren.

Bezüglich der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse gibt es in manchen Disziplinen konfliktierende Zielsetzungen: z.B. können die Grundlagenforschungsergebnisse in der Informatik öffentlich zugänglich gemacht werde, nicht aber priprietäre Daten (den Datenschutz betreffend).

Operative Ziele der Arbeitgsgruppe

  • Zusammentragen von Informationen – Sollte ein Strategiepapier/Weißbuch geschaffen werden?
  • Vernetzung einer Community
  • Bestandsaufnahme: Welche Initiatven und Bewegungen in Österreich gibt es?

Initiative Open Access Network Austria (OANA)

Hat an einzelnen Forschungsstätten Ansprechpartner*innen gesucht. Hier werden Informationen gesammelt: 1. Hat die Uni eine OA Policy? 2. Gibt es ein Repositorium? (muss auch nicht von jeder Forschungsstätte aufgebaut werden, hier können erfolgreiche Modelle, z.B. von der Uni Wien, übernommen werden). 3. engagiert sich die Forschungsstätte selbst für OA und unterstützt sie Wissenschaftler*innen, OA zu publizieren?

Open Access goes politics

Mögliche konkrete poltische Forderungen bei Verhandlungen zwischen Universitäten und Politik: Beispielsweise könnte ein bestimmter Prozentteil der Publikationen unter OA eingefordert werden. Wo der Gesetzgeber ins Spiel kommt, gibt es genügend Gestaltungsmöglichkeiten, einen rechtlichen Rahmen zu bieten (dienstrechtlich, Hilfestellung für Universitäten für Repositorien etc.). Wissenschaftsorganisationen in Deutschland treten z.B. sehr stark an den Gesetzgeber heran, die Schrankenregelungen von Wissenschaft auszuweiten (ausweitung der Urheberrechtlichen Schrankenregelung mit Ausnahmen für den wissenschaftlichen Bereich). Welche Kostenersparnisse sich ergeben, könnte in Studien erhoben werden. Generell war man sich in der Runde einig, dass der gesetzliche Rahmen hier nicht so eng ist wie oft angenommen. Gleichzeitig und trotz dem „grünen Weg“ ist der „goldene Weg“ weiterzuverfolgen. Das bedeutet auch ein völlig anderes Ökonomie-Modell. Hier zeigen sich also zwei Ansätze: den aktuell möglichen Rahmen ausschöpfen vs. ökonomischer Systemwechsel. Neue Geschäftsmodelle, die etwas können, was andere noch nicht können, sollten gefunden werden.

Weitere konkrete Arbeitspunkte sind im Pad nachzulesen. Und Ende September in Genf gibt es das Open Knowledge Festival, wo sich auch die Open Science Community trifft. Geplant sind weitere Workshops und Veranstaltungen zur Konkretisierung von Vorhaben oder auch zum Urheberrecht (Tag des Urheberrechts: 23. April) – watch this space!🙂

 

 

 

 

 

 

 

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