IT und neue Kommunikation – mehr Demokratisierung?

„Schöne neue Welt? – wie der Computer unser Leben verändert“ ist das Thema der internationalen Sommergespräche der Waldviertel Akademie, welche von 30. August bis 2. September in Weitra stattfinden. Bei einer Podiumsdiskussion an der Donau-Universität Krems trafen Philosoph Peter Kampits und E-Government-Experte Peter Parycek aufeinander um die Auswirkungen der Kommunikationstechnologien auf die Demokratie zu diskutieren.

Bild

BEGRÜßUNG

Mag. Dr. Walter Seböck, MSc, MBA. Departementleiter E-Governance in Wirtschaft und Verwaltung an der Donau-Universität Krems.

Die Donau-Universität Krems freut sich ein Standort der Waldviertel Akademie zu sein. Ob die neuen Medien und elektronischen Helferlein zur Demokratisierung beitragen, ist fraglich. Neue Kommunikationstechnologien ermöglichen einerseits mehr Überwachung, andererseits erhöhen sie den Informationsaustausch innerhalb der Bevölkerung. Das Thema ist noch nicht ausdiskutiert und es wird sich weisen, wie die Technologien verwendet werden.

Dr. Ernst Wurz. Vorsitzender der Waldviertel Akademie

Die Waldviertel Akademie, die grenzübergreifende Aktivitäten (CZ) setzt, freut sich auf akademischem Boden eine Veranstaltung abzuhalten. Zum Thema „Schöne neue Welt?“ wurde bereits auf mehreren Standorten diskutiert. Der Waldviertel Akademie ist es wichtig, in der Diskussionsreihe grundlegende Fragen zu diskutieren, die im finalen Event zusammengeführt werden. Seit 28 Jahren existiert dieses Projekt. Beide Diskutanten waren bereits dieses Jahr in der Diskussionsreihe aktiv und treffen hier zum ersten Mal aufeinander.

GRUßWORTE

LAbg. Ingeborg Rinke. Bürgermeisterin der Stadt Krems

Wissen zu teilen ist wichtig. Insbesondere die Universitätsstadt Krems trägt dazu bei, Wissen zu teilen. In Krems hat Bildung einen besonderen Stellenwert und der Standort ist auf allen Ebenen des Bildungsbereiches am Wachsen. Die Auswirkungen von IT auf Demokratie ist ein spannendes Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Diskussion

Die Diskussion am 21. Mai 2012 wurde von Brigitte Dallinger (ORF Niederösterreich) moderiert.

Diskutanten:

Eingangsstatement Kampits: Die Kategorisierung von Menschen in „Digital Settlers“, „Digital Immigrants“, „Digital Natives“ und „Digital Homeless“ klassifiziert den Umgang von Manschen mit dem Internet. Von denjenigen, die nichts mit IT zu tun haben, bis zu denen, die mit dem Internet und der permanenten Nutzung aufwachsen. Grundsätzlich ist Technik und IT nicht neutral, sondern bedeutet einen ganz entscheidenden Eingriff in unsere Lebenswelten. Eco: Wer mit dem Computer in die Badewanne geht, riskiert einen Stromschlag, was einem mit einem Buch nicht passiert. Einige Philosophen und Soziologen haben vor digitale Medien und Kommunikationsmitteln zu Vorsicht gemahnt. Die Wirklichkeit läuft Gefahr simuliert zu werden. Raum- und Zeitempfinden haben sich durch IT verändert, die auch bereits biologische Auswirkungen auf den Menschen hat. Zur Zeit der Eisenbahn, wurde ebendiese als gefährlich bezeichnet, da der menschliche Körper nicht für Reisegeschwindigkeiten über 30km/h ausgelegt sei. Das scheint heute lächerlich zu sein, doch beschreibt den positiven bzw. negativen Zugang zu technologischem Fortschritt. E-Mails haben sowohl negative als  auch positive Auswirkungen, wie zum Beispiel einerseits die Einfachheit der Kommunikation, andererseits die geänderten Inhalte der E-Mails, die es früher nie zu Papier gebracht hätten. Heute haben wir eine virtuelle Agora, die eine Selektierung beeinträchtigt, und kommerziell geprägt ist. Der Verlust der Privatsphäre und die Öffentlichmachung von privaten Informationen haben Auswirkungen in der Realität. Wir können (und sollen vielleicht) nicht mehr zurück, es gilt aber die positiven Seiten zu forcieren und die negativen Aufzuzeigen.

Eingangsstatement Parycek: Die Technologie alleine hat nicht viel verändert. Noch vor 5 Jahren wurde noch darüber diskutiert, dass die IT kaum grundsätzliche Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Jetzt wissen wir, dass sich die Gesellschaft massiv verändert. Der Buchdruck ist eine ähnliche Erfindung wie das Internet, da der Zugang zu Information demokratisiert wurde. Die gesellschaftliche Veränderung kam erst dann zum Tragen, als viele Menschen lesen konnten und relativ schnell vervielfältigbare Informationen verbreitet werden konnten. So ist es auch mit dem Internet. Erst die Änderung der Gewohnheiten der Menschen, die ständige Verbindung mit dem Internet und allen damit einhergehenden Services und Informationen, haben die Gesellschaft verändert, nicht die Existenz der Technologie an sich. Das Internet hat zu einer Demokratisierung der Gesellschaft durch Vereinfachung der Kommunikation einzelner beigetragen und Machtmonopole ins Wanken gebracht. Ein Beispiel ist Open Source Software, die gratis von einer Community erstellt wird und komplexe Anwendungen zum Vorschein bringt, die bis vor kurzem nur von etablierten Softwarekonzernen entwickelt werden konnten. Der Vorfall, der die Revolutionen des arabischen Frühlings auslöste, wurde gefilmt und wenig beachtet auf YouTube gestellt. Erst als Al Jazzera dieses Video sendete, empörte sich die Bevölkerung. Erst der Zugang zu diesen sozialen Medien hat die Verbreitung des Videos ermöglicht, doch die starken Auswirkungen kamen erst über den traditionellen Nachrichtensender, da in Tunesien das Internet nicht weit verbreitet war/ist. Andererseits haben letztes Jahr Jugendliche in Großbritannien das Internet verwendet um sich zu organisieren, um plündernd durch die Straßen zu ziehen.

Diskussion: Die Verwendung von Wikipedia ist ein Übel an Bildungseinrichtungen, da hier oft alles Übernommen wird. Andererseits ermöglichen Services wie Twitter, Menschen (die Twitterati) als Filter zu verwenden, da man hier aussuchen kann, von wem man die Information übernimmt, etwas das bei Wikipedia schwieriger zu bewerkstelligen ist. Soziale Medien bauen auf dem Prinzip des Teilens auf. Die Verwendung dieser Tools muss allerdings erlernt werden. Heute zählt die Meinung der Peers/Communities, während früher die Autorität institutionalisiert war. Das kann auf eine Expertokratie hinauslaufen. Auch der wissenschaftliche Peer-Review-Prozess hat seine Schattenseiten, ebenso gilt dies dann für das Vertrauen in Peers.

Politische Entscheidungen im Internet zu fällen ist ein Problem. Die Stärke des Internets ist aber Personen zusammen zu bringen, die ansonsten nicht zusammenfinden würden. So hat in Island die gesamte Bevölkerung via Internet an einer neuen Verfassung geschrieben.

Nörgler und Schreihälse haben es im Internet leicht sich gehör zu verschaffen ohne großen Aufwand. Neue Konzepte von Beteiligungsformen schaffen hier Möglichkeiten nach strukturierten Entscheidungsfindungen.

Das Internet wird die Demokratie vermutlich nicht revolutionieren. Die Parteienlandschaft kann allerdings geändert werden, da das Internet eine unglaubliche Mobilisierungsfähigkeit hat. Menschen können sich schnell zusammenfinden und sich einem gemeinsamen Ziel verschreiben. Ebenso schnell diese Gemeinschaft wieder auflösen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s