IRIS 2011 Tag 3

Wir freuen uns besonders, dass zwei Einreichungen des Zentrums für E-Government unter den ersten 10 des Lexis Nexis Best Paper Award für hervorragende Tagunsbeiträge gereiht wurden: die Beiträge von Prof. Dr. Arthur Winter und Mag. Johann Höchtl und Peter Reichstädter. Kriterien für die Bewertung sind wissenschaftliche Relevanz, Aktualität, Originalität, Methodik, Anwendbarkeit, sowie Struktur und Präsentation der Arbeit.

Offene Daten und Informationen im Politikzyklus. Voraussetzungen, Risiken und Umsetzungspotentiale von Open Government und Open Data in europäischer Perspektive (Peter Parycek, Michael Sachs, Judith Schoßböck)

Der Vortrag thematisierte freie und offene Information als Voraussetzung für Open Government in einem europäischen Kontext. Die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in den Nutzungsalltag macht es gegenwärtig möglich, erstmals die Potentiale des Open Governments zu evaluieren und in die Praxis zu transferieren. Die Diskussion, die sich auch dem Schlagwort Open Government bediente, endete im Freedom of Information Act (FOIA) aus dem Jahr 1966, der den Informationszugang der amerikanischen Öffentlichkeit zu staatlichen Informationen regelt. Der FOIA verpflichtet staatliche Institutionen, BürgerInnen Informationen zur Verfügung zu stellen und dies nur bei geregelten Ausnahmen zu unterbinden. Seither wurde der FOIA mehrmals ergänzt und geändert, wobei die Informationspflicht des Staates stärker akzentuiert und die Gesetzeslage an Entwicklungen der Daten- und Informationsaufbereitung und -speicherung angepasst wurde.

Transparenz, Partizipation und Kollaboration sind die aktuell viel zitierten Prinzipien des Open Governments. Diese Termini werden insbesondere seit der Open Government-Direktive der Obama-Administration verstärkt verwendet. In der euroäischen politischen Sphäre wird das Thema Open Government bzw.  deren Prinzipien im Bereich des E-Governments diskutiert.

Rechtliche Fragestellungen & Diskussion:

  • Urheberrecht
  • Rechtspolitische Fragen

Im Beitrag wurde auf sozio-politische und sozio-kulturelle Konditionen sowie auf kulturelle und legislative Differenzen innerhalb der Beispielländer Bezug genommen. Hürden, Risiken und Potentiale der Umsetzung von Open Government und Open Data in Österreich wurden genannt. Darüber hinaus wurden Bereiche innerhalb des Politikzyklus identifiziert, die sich für eine initiative Umsetzung der Open Government-Prinzipien besonders eignen.

Bürgerbeteiligung – Deutschland traut sich (Kirsten Neubauer)

Kirsten Neubauer von Neu&Kühn präsentierte good practice Beispiele von Bürgerbeteiligungsprojekten in Deutschland und, wo möglich weil bekannt, die Faktoren des Erfolgs. Unter anderem praktizieren die Städte Hamburg, Köln, Essen, Freiburg, Köln, Lichtenberg, Solingen und Trier teilweise seit Jahren Bürgerbeteiligungsprojekte bzw. Bürgerhaushalte.

In der folgenden Diskussion wies Kirsten Neubauer darauf hin, dass Beteiligungsprojekte in ähnlich großem Umfang in Österreich fehlen. Vom Publikum wurden folgende Punkte angesprochen:

  • Ebreichsdorf traut sich ;-) Carl Markus Piswanger weist darauf hin, dass bereits 2005  ein  öffentlicher Haushalt in Ebreichsdorf durchgeführt worden ist.
  • Soll alles mit den BürgerInnen diskutiert werden? Grenzen finden sich beispielsweise im Bereich des Schutzes von Minderheiten.

Linked Open Data als Element von strategischem Informationsmanagement in der öffentlichen Verwaltung (Johann Höchtl, Peter Reichstädter)

Informationsmanagement in der öffentlichen Verwaltung wird in der aktuellen Literatur vor allem mit Bick auf Informationsproduktion und der effizienten Beschaffung sowie der Logistik von Information betrachtet. Es wurde argumentiert, warum die mit Open Government Data verbundene Datenbereitstellung ebenfalls Bestandteil von strategischem, verwalterischen Informationsmanagement ist und in Zukunft einer umfassenderen literarischen Würdigung bedarf.

Der Wert von Information ist auch in Verwaltungen zum strategischen Produktionsfaktor geworden. Nachdem die Europäische Union und somit Österreich auf dem Weg zur führenden Wissensgesellschaft ist, sind Architekturmodelle notwendig, die effizient und interoperabel den föderalen Prinzipien der österreichischen und europäischen Verwaltung gerecht werden. Ausgehend von Good Practice-Modellen aus Verwaltung und Wirtschaft wurde ein Architekturmodell für Linken Open Government Data vorgestellt, das auf existierenden und verbreiteten Technologien des Semantic Web aufsetzt. Den Ausgangspunkt bildet das 5-Sterne-Modell von Tim Berners-Lee zur Umsetzung von Open Linked Government Data. Für die fünfte Umsetzungsstufe wurde eine mögliche technische Realisierung beschrieben. Jede Entität muss mit einem URI identifiziert werden. Die Datenhaltung auf Portalen muss im RDF-Format erfolgen. Um den Mehrwert der Peer-Production besser nutzen zu können und für den Wachstumsmarkt mobiler Applikationen für Smart Phones gerüstet zu sein, sind einfache APIs basierend auf RESTful Services notwendig. Im Ausblick wurde eine mögliche mobile Anwendung beschrieben und semantische Erweiterungen wie SPARQL-Endpoints aufgezeigt. Außerden ging der Beitrag auf die Lizenz- und Haftungsproblematik verbunden mit der Offenlegung von Verwaltungsdaten ein.

Von isolierten Datenfriedhöfen zur übergreifenden effizienten Umweltdatenauswertung  (Michael Hadrbolec)

Aktuell finden sich zahlreiche Umweltdatendatensätze, aber sie liegen isoiert in Fachdatenbanken. Die Auswertung erfolgtüberwiegend über Fachapplikationen, indem die Daten aus den Datenbanken extrahiert wurden und in die Anwendunge eingespeist wurden, was zu redundanten Datenhandlungen führt. Ein Lösungsansatz wäre das in der Industrie schon seit vielen Jahren übliche Vorgehen über Datawarehouse-Umgebungen (Schnittstellen aus den operativen Systemen in das Datawarehouse, die einmalig über die Schnittstelle bereingt werden müssen). In weiterer Folge würden die Daten von Datenbanken/Fachanwendungen in das Datawarehouse aktualisiert. Datawarehouse bildet dann die bereinigte Grundlage, über welche unterschiedliche Analysen durchgeführt werden können.  Datawarehouse bietet ein einfaches Datenmodell, welches auf Auswertungen getrimmt wird. Ein Faktenmodell beinhaltet bspw. Messwerte (Temp Wert: 37) ein zweiter Typ sind Dimensionsdaten (Parameter: Temp Celsius). Der vorliegende Ansatz ist insbesondere aus der Telekom-Wirtschaft bekannt, welche über diese Wege das UserInnenverhalten analysiert hat. Somit kann in großen Datenbeständen nach Mustern gesucht werden und es besteht eine hohe Flexibilität in der Auswertung.  Im Beitrag finden sich dann weitere Evaluierungskriterien für die Einführung von solchen Systemen.

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