Computerunterstützte Twitter-Analyse

Am 6.12.2010 stellte Cornelius Puschmann von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Rahmen der Gruppe Internetforschung vorläufige Ergebnisse einer computergestützten Untersuchung von Twitter-Gesprächen und Blogs vor. Das Forschungsprojekt ging aus der Nachwuchsforschergruppe Wissenschaft und Internet der Universität Düsseldorf hervor. Am Beispiel Twitter wurde u.a. über Datenvisualisierung in den Sozialwissenschaften diskutiert.

Analyse von Konferenz-Tweets

In der Internetkommunikationsforschung kann man sozialwissenschaftliche, geistes-/kulturwissenschaftliche oder informatische Ansätze bemühen. Datenvisualisierung soll hauptsächlich dazu beitragen, Sachverhalte weniger komplex darzustellen. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden Konferenz-Tweets, also Nachrichten, die im Rahmen von wissenschaftlichen Fachkonferenzen auf dem Microblogging-Dienst Twitter geseendet wurden, analysiert.

Neben dem Gebrauch von Erwähnungen (@) und Re-Tweets (RT) wurde u.a. das Verhältnis inhaltsbezogener, persönlicher und kommunikativer Nutzung analysiert. Weitere Kategorisierungsebenen waren Zweck oder Inhalt einer Nachricht. Gesammelt wurden die Hashtags der Konferenzen, die alle etwa 500-1000 TeilnehmerInnen zählten, mittels Twapperkeeper (Kürzel der Konferenzen: WWW2010, DC2009, MLA2009, Geoinst.).

Bei der Verteilung konnte häufig nicht zugeordnet werden, ob sich die Tweets auf die Inhalte der Konferenz beziehen, was wohl auch daran lag, dass die Re-Tweets in diesem Fall nicht mitberücksichtigt wurden. Aktivitäten wie Kaffee-Pausen oder Konferenz-Workshops vor der eigentlichen Konferenz werden bei der Darstellung der Tweets auf einer Zeitachse genau sichtbar🙂, in dem sich z.B. viele konferenzbezogene Nachrichten ansammeln.

Darstellung durch ein Node-Modell

Hier steht jeder Knoten für eine Person bzw. einen Twitter-Account und die Dicke für die Intensität der Aktivität. Die Größe der Kreise steht für die Anzahl der empfangenen Nachrichten, die Farbintensität für die Anzahl der gesendeten. Die Reziprozität der Kommunikation wird über die Krümmung ausgedrückt. Mittels der Open Source-Visualisierungs-Software Gephi lassen sich solche Prozesse anschaulich darstellen (xls-Datei nötig).

Neue Medien, alte Kommunikationsstrukturen?

Möglicherweise werden trotz neuer Medien und Technologien Kommunikationsstrukturen abgebildet, die bereits aus anderen Kanälen (Stichwort usenet) bekannt sind. Bei politischen Ereignissen und ab einer bestimmten Größe der Daten stellt sich außerdem die Filterfrage. Kategorien zur Einteilung der Nachrichten können z.B. auch auf Basis qualitativer Analysen gebildet werden.

Statistiken bilden Konferenzen letztlich auch nur unvollständig ab. Dennoch eröffnen diese Verfahren Potentiale für die Kommunikationsforschung, auch wenn noch nicht viele Erfahrungen damit vorliegen.

Wer sich für die Auswirkungen von Visualisierungsprozessen und Software auf unsere Kultur interessiert, sollte eventuell einen Blick auf die Theorien eines bekannten Akteurs der jüngsten Medientheorie, Lev Manovich, werfen. Die Logik des Computers, so Manovich, beeinflusst alle bisher bekannten modernen Medien wie Film, Musik, Fotografie usw. und transformiert sie so zu neuen Medien unter neuen Bedingungen.

Heute, 7.12.2010, findet noch einmal eine Veranstaltung mit René König, Michael Nentwich und Cornelius Puschmann zum Thema „Öffentliche Wissenschaft“ statt – Anmeldung nicht erforderlich!

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