Gov2.0Camp Vienna, Judith

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Vorträge in diesem Blogpost:

Dokumentation der Sessions vom  Gov 2.0 Camp in Wien am 3.12.2010 in der Planungswerkstätte der Stadt Wien.

Schnei, schnei, schnei! Trotzdem haben es sehr viele Interessierte in die Planungswerkstatt Wien geschafft – Danke für das zahlreiche Erscheinen und insbesondere an die Session-AnbieterInnen!

Visualisierung mit Open Data – am Beispiel Budgetdaten

Robert Harm
Planungswerkstatt Saal, 10:30-11:15

Was könnte man mit Open Data in Österreich anstellen?

In dieser Session wurde das Open Data-Modell kurz erläutert. Robert Harm stellte die Stufen der Wiederverwertbarkeit vor, die Teil der Open Data-Prinzipien sind:

  • Daten im Web verfügbar
  • Daten in strukturierten Formaten verfügbar
  • Nicht-proprietäre Daten usw.

Als Beispiel wurde die Visualisierung des Budgets 2011 – 2014 vorgestellt. Jeder Bereich des Budgets hat in der Visualierung eine Größe, die der Größe der Einsparung entspricht. So wird auf den ersten Blick vermittelt, wo am meisten eingespart wird. Die Grafik ist interaktiv und enthält Informationen über die einzelnen Jahre und deren Einsparungen (auch in absoluten Zahlen verfügbar). Wären diese Daten, die hier manuell übertragen wurden, maschinenlesbar, wäre eine Aufarbeitung nach dem Vorbild von „wheredoesmymoneygo“ denkbar. Andere Anwendungsfälle für Österreich wären der bundestagger.de, wo Plenarprotokolle des Bundestages (nicht maschinenlesbar) zugänglich gemacht werden. So können die am häufigsten verwendeten Wörter in Diskussionen sichtbar gemacht werden (z. B. „PolitikerInnen, die am meisten Zurufe ausgelöst haben“).

Je maschinenlesbarer, desto leichter die Visualisierung

Dass man Visualisierungen in Windeseile erstellen kann, wenn Daten maschinenlesbar sind, wurde in der Session gleich bewiesen (Links zu Toolsammlungen werden wir nachreichen). Auf der Website der Weltbank kann man beispielsweise schon schön mit Daten „spielen“ und Mashups bauen – wenn die Daten einmal vorhanden sind, ein relativ einfaches Unterfangen.

Open Data ist nicht nur Technik

In Zukunft könnten derartige Visualisierungen auch zur Aufklärung gesellschaftlicher Misstände verhelfen, so die optimistischen VerfechterInnen. Internationale Beispiele kommen häufig aus dem Umwelt- und Geodatenbereich (zur Steigerung der Lebensqualität), können aber auch wirtschaftliche Auswirkungen haben. In der Diskussion wurde Open Data mit Wikipedia verglichen: Auch hier arbeitet nicht der Großteil der NutzerInnen aktiv mit, vom gesamtgesellschaftlichen Nutzen sind mittlerweile aber die meisten überzeugt🙂. In Österreich gibt es noch keine/n offizielle/n RegierungsbeauftragteN zu Open Data🙂, aber Open Government Data-Netzwerke. Außerdem treiben einige Parteien die Beschäftigung mit der Thematik voran.

Für Interessierte: Morgen findet in Wien ein Open Data Hackday statt.

Open Government und Open Data für Wien

Klaus Werner Lobo
ADV2, 13:30-14:14

Video des Eröffnungsstatements von Klaus Werner Lobo:

vielen Dank an Martin Ladstätter für Video &  Zusammenfassung unter: http://www.ladstaetter.at/

Daten als Rohstoff

In einer Wissensgesellschaft sind offene Daten der wichtigste unendlich verfügbare Rohstoff. Neben den ökonomischen Vorteilen gilt es, die demokratische Beteiligung in einer Gesellschaft zu stärken. Demokratie und Beteiligung erfordert jedoch Zugang zu Daten und Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Lobo gab einen Einblick in die Verhandlungen innerhalb Wiens – inklusive Vorstellungsrunde und regem Interesse am Thema🙂

Was steht im Koalitionspapier zu Open Data und Open Government?

Zum einen wird ein Symposium veranstaltet und von einer ExpertInnengruppe ein Konzept erarbeitet, das die Zugänge und Risiken zu offenen Daten evaluieren soll. Durch die Verankerung im Koalitionspapier ist das Thema Regierungsprogramm der nächsten Jahre. Der Wunsch, Wien zu einer Avantgarde in diesem Zukunfstthema zu machen, ist nicht realistisch, aber zumindest mal ein Anfang gemacht🙂.

In der bunten Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass bestimmte einfache Daten (Wetter, Ozon, Verkehr) den Anfang machen sollten und erste Strategiepapiere gerade entstehen. Auch die umgekehrte Perspektive (nicht, wie wir Daten von Behörden bekommen, sondern wie wir Schnittstellen in Richtung Politik, Verwaltung und Bezirke schaffen) wurde angeschnitten. Wichtig wäre auch eine Vermittlung der Thematik an die BürgerInnen, um Druck auf Politik und Verwaltung zur Freigabe der Daten ausüben zu können.

Weitere Anliegen und Wortmeldungen in Auswahl:

  • Bisher gibt es keine Informationsplattform, auf der über direkte BürgerInnenbeteiligung z.B. Gesetze erarbeitet werden. Hier besteht Handlungsbedarf.
  • Schnell sein! Es gibt bereits Leute, die bereit sind, schon 2011 und 2012 konkrete Dinge umzusetzen
  • Gerade im Umweltbereich sind große Datenmengen vorhanden, Österreich muss auch entsprechende Konventionen umsetzen
  • Gut informierte BürgerInnen sind für gewisse Gerüchte nicht so anfällig –>Open Data als Vorstufe für ePartizipation, nicht umgekehrt!

Für Lobo ist Open Data auch eine Möglichkeit zur Durchbrechung populistischer Tendenzen. Wo weniger Verständnis für Transparenz vorhanden ist, trifft man aber auch auf die Einstellung: „Ihr seid ja jetzt in einer Regierung, wozu braucht ihr jetzt noch Transparenz?“ (zu den Grünen Wien)🙂

Auf dem Weg zur Umsetzung

  • Eine Klärung der Haftungsfrage ist notwendig: Wie kann sich die Behörde gegen event. Klagen bei falschen Daten schützen?
  • Die gesetzlichen Grundlagen bezüglich der kommerziellen Verwertung müssen angepasst werden.
  • Die geplante Nutzung (kommerziell oder nicht kommerziell) sollte festgelegt werden. Welche Anwendungen wären überhaupt denkbar, mit denen wir den Mehrwert in Richtung Politik kommunizieren können?
  • So geht’s: data.wien.gv.at, dann einige Daten veröffentlichen, dann apps4vienna🙂

Links

Freie Unis, freie akademische Texte

Bernd Kerschner, Patrick Siebert
ADV1, 14:30-15:10

Open Access-Journals: Kein teures Abo

Thema der Session waren Open Access(OA)-Journals und freie wissenschaftliche Texte. Für Uni-Bibliotheken sind Journals im Abonnement oft nicht mehr leistbar (peer-reviewed journals). OA-Journals hingegen brauchen kein teures Abo. Außerdem zahlt der/die SteuerzahlerIn bereits die Forschung, hat aber keine Möglichkeit, auf diese zuzugreifen. In Österreich ist OA in der Wissenschaft noch weniger angekommen. OA, peer-review und kollektives Arbeiten sind in den verschiedenen Disziplinen unterschiedlich angekommen, was auch mit Arbeitskulturen zusammenhängt.

20 % Open Access

Heute gibt es ca. 5.000 OA-Journals. 20 % aller Publikationen sind OA-Publikationen. Einige Versuche: Elib.at digitalisiert Bücher und Quelltexte, Textfeld.at Diplom- und Seminararbeiten (darüber hinaus existiert auch die offizielle Datenbank der Dissertationen und Diplomarbeiten). archive.org hingegen bezieht sich nicht nur auf Text, sondern auf alles, was kreativ geschaffen wurde. Zur Urheberrechtsfrage: Oft wird bei Nutzungsrechten die digitale Version ausgeschlossen, außerdem werden diese selten auf Lebenszeit vergeben.

Open Course Ware

Dieses Konzept zum freien Zurverfügungestellen von Lernunterlagen wird von Lehrenden getragen. Auf Seiten der Studierenden gibt es Aktionen wie Mitschriftensammlungen, Tauschbörsen oder Mitschriften-Wikis. Beispiel für Open Course Ware mit eigenem Youtube-Channel: http://ocw.mit.edu (von der Universität veröffentlicht, mit eiegener Redaktionsabteilung und über Creative Commons lizenziert). 200 Universitäten sind im Consortium (www.ocwconsortium.org), ca. 2000 Kurse online. Die Universität Klagenfurt (die 1. deutschsprachige Universität im OCW-Consortium) betreibt eine Open Course Ware, die 2005 durch Thomas Pfeffer initiiert wurde. Eine andere Initiative findet sich mit dem Philosophie-Wiki auf http://philo.at/wiki (Initiator Herbert Hrachovec).

Wie fühlt sich Open Government an?

Peter Parycek
Planungswerkstatt, 15:20-16:00

Hoffnung, Angst, Unsicherheit: Ein Streifzug quer durch die Emotionen, die Menschen mit Open Government in Verbindung bringen.

#1 Hoffnung und #2 Happenings

Wie bei vielen sozialen Bewegungen sind mit Open Gov. zahlreiche Hoffnungen verbunden. Ein Beispiel hierfür ist der sehr emotional gefeierte Sieg von Obama, dessen erster Amtsakt die Unterzeichnung des Open Government-Memorandums war. Hoffnungsaspekte hier: Mit Open Government und Open Data dem Populismus entgegentreten.

#3 Angst

Drohender Macht- und Kontrollverlust bewirken, dass viele die Bewegungen aufhalten wollen. Auch de Umwandlung von internen Prozessen in externe wird nicht von jedem/jeder positiv aufgenommen. Kritisch auseinandersetzen müssen wir uns auch mit Daten-Missinterpretation und Manipulation. Starke Argumente aus dem Angst-Bereich finden sich auch im Populismus, außerdem finden sich einige Extrembeispiele, beispielsweise die Abfrage von Strafregisterdaten in den USA.

#4 Rage

Wikileaks bereitet momentan vielen Bauchweh. Das System, dass die Gesellschaft Sachverhalte aufdeckt, wird auch unabhängig der Existenz von Wikileaks bestehen bleiben. Gleichzeitig belegen Daten, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht unbedingt das Interesse zur aktiven Mitarbeit aufbringt (Daten aus UK, IPSOS Mori, UK Data). Realistischer ist, mit wenigen Interessierten oder ExpertInnen aktiv an Prozessen zu arbeiten. Zu vermeiden ist jedoch ein politischer Prozess hinter geschlossenen Türen, wie dies auch der Obama-Administration vorgewurfen wurde, die letztlich keine echte Beteiligung realisiert hat.

Imageprobleme und „Daten-Tsnunamis“

Diskutiert wurde auch das Imageproblem des Open Data-Begriffs: Daten sind tendenziell mit negativen Inhalten verknüpft. Hier muss man Mechanismen finden, um einen gesellschaftlichen Konsens zu erreichen. Hier spielt auch die Wikileaks-Diskussion eine Rolle, wenn selbst wenige Daten große gesellschaftliche Auswirkungen haben können (siehe die Anpassung der Immobilienpreise in Amerika nach der Veröffentlichung von Grundstücksdaten). Bei einzelnen Datensätze werden wir in Österreich kulturell bedingt mehr über gesellschaftliche Auswirkungen diskutieren als beispielsweise in Amerika, wo von „Daten-Tsunamis“ gesprochen wird. Veränderungen der Immobilienpreise sind jedoch auch durch andere Mechanismen möglich; auch wenn in der Diskussion mit der Politik die hier gesammelten Argumente fallen werden.

2 Kommentare

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