Berichterstattung in Echtzeit: Protestbewegungen und Social Media

Die Aufstände und Proteste gegen den Atommüll-Transport (unter dem Hashtag #castor auf Twitter dokukmentiert) sowie die heute in London stattfindende Demonstration von ca. 50.000 Studierenden (#demo2010) zeigen, dass Echtzeit-Informationen über Social Media nicht nur bei der Mobilisierung und Solidarisierung, sondern auch bei der Berichterstattung eine immer wichtigere Rolle spielen.

Gerade bei der Live-Berichterstattung ist Twitter eine Echtzeit-Informationsquelle für jene, die nicht an einer Veranstaltung teilnehmen können – und zwar lange bevor die meisten traditionellen Medien das Thema aufgreifen. Selbst Online-Medien können hier nicht immer mithalten. Daher greift auch die Internet-Berichterstattung etablierter Medien mehr und mehr auf den in Fülle vorhandenen Informationsfluss in Netzwerken zurück, wodurch neue Textsorten der Berichterstattung entstehen.

Ein gutes Beispiel für die Vermischung von dynamischeren Medien mit Social Media ist die Berichterstattung des Guardian über die heutigen Studierendenproteste in London. Der Blog-Bericht des Guardian inkludiert Twitter (neben anderen Social Media-Formen wie Flickr) ganz bewusst, wenn er angibt:
We’ll be following the progress, via the medium of Twitter, of three students in particular through today – @UADSA_VP_Attila, from the University of Abertay, in Dundee, @Arf_22, from Goldsmiths University, in London, and @joe_oliver, from the University of Sheffield, in erm, Sheffield.

Die Demonstrationen im Millbank Tower (auch hier haben wir es mit einer Besetzung eines öffentlichen Raumes zu tun) waren eine Reaktion auf die angekündigten erhöhten Studiengebühren und die verlängerte Zeitspanne, in der Studierende diese zahlen müssen. Die BBC News widmete den Protesten eine extensive Live-Berichterstattung mit Updates im Minutenabstand. Im Gegensatz zu den Protesten in Österreich, bei denen die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) nur eine untergeordnete Rolle spielte, werden sie jedoch von der Studentenunion (National Union of Students (Nus) sowie der University & College Union) offiziell organisiert. Die NuS zeigte sich jedoch über die Menge der Menschen, die anlässlich der Erhöhungen auf die Straße gingen, überrascht (etwas 30.000 wurden erwartet). Auffällig ist, dass das Interesse in den letzten 48 Stunden besonders zunahm. Möglichkeiten der Mobilisierung über das Internet sind  hier sicherlich mitverantwortlich, wobei eine europäische Solidarisierung, auch innerhalb der Protest-Community, gerade zu beobachten ist. Die Verwendung der Hashtags #ouruni und #londonburns, die auf #unsereuni und #unibrennt Bezug nimmt, macht diese Form der Online-Solidarisierung auf Twitter sichtbar:

Full support to the ongoing protests in London also from Marburg (Germany). One world – One struggle #globalEdu #unibrennt #unibrennt # demo2010 #ourUni (@ISM030) (Ergebnisse für #ouruni)
 

Diese Online-Solidarisierung kann auch unabhängig von eindeutigen thematischen Parallelen erfolgen, wenn sich z.B. AnhängerInnen der Studierendenproteste mit AnhängerInnen der Castor-AktivistInnen solidarisieren. Hier kann oft der Eindruck entstehen, dass man hauptsächlich durch ähnliche Proteststrukturen, nämlich die Auslagerung der Mobilisierung und Organisation in das Internet, am selben Strang zieht.

Auf dem Guardian findet sich außerdem eine Karte, die Daten einzelner Studierenden-Vereinigungen aufbereitet und so zeigt, woher die Menschen stammen, die planen, die Demonstration von anderen Städten aus (z.b. Edinburgh und Bangor) zu besuchen.

Für Interessierte Twitter-VerfolgerInnen hier die relevanten Hashtags:

#demo2010
#millbank
#wewillmarch
#ukburns
#londonburns
#ouruni
#ism
#unibrennt
#unsereuni

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