BRZ Kundenevent 2010 – live

Bis 18:00 berichten wir live vom BRZ Kunden- und Partnerevent 2010. Sie können sich per Twitter #brz2010, SMS an +43 680 305 97 92 und mit Kommentaren im Blog in die Diskussion einbringen. Durch den Nachmittag führt Helmut Brandstätter. Fotos finden sie auf Flickr.

Der Nachmittag steht unter dem Motto: „More for less, IT-Lösungen für die Verwaltungsreform“. Die Verwaltungsreform ist neben der Gesundheitsreform eine der schwierigsten Angelegenheiten in der derzeitigen Politik. Wir sind schon gespannt, was heute gesagt wird.

Begrüßung und Einleitung

  • Roland Jabkowski, CEO BRZ
  • Vizekanzler und Bundesminister für Finanzen Josef Pröll

Jabkowski: Das BRZ hat bewusst die Verwaltungsreform heute zum Thema gemacht. Die Verwaltungsreform und Kommunikationstechnologie gehören zusammen. Alle Staaten müssen künftig sparen und eine IT- unterstützte Verwaltungsreform kann zugleich Kosten senken und Services verbessern. Reformvorhaben sind keine IT-Projekte sondern Organisationsänderungen, doch diese Veränderungen können durch die IT unterstützt werden. Es sind bereits eine Vielzahl von Reformansätzen mit IT-Lösungen verbunden. Der IT-Einsatz hat die Ausgaben um 25 Millionen Euro reduziert.
Basierend auf der Internettechnologie haben sich soziale Netzwerke ausgeprägt. Ein Viertel der österreichischen Bevölkerung ist auf Facebook zu finden. Die Verwendung sozialer Medien wird einen offeneren und transparenteren Staat formen. Die Gesellschaft wird sich aktiv in den Staat über Beteiligungsverfahren einbringen können. Es ist die Verantwortung der EntscheidungsträgerInnen den gesellschaftlichen Paradigmenwechsel zu begleiten.

Pröll: Die Versammlung von Wirtschaft und Verwaltung in einem Raum ist erfreulich. Der Vizekanzler schließt sich den einführenden Worten von Herrn Jabkowski an. Es gilt dem BRZ und dessen MitarbeiterInnen ebenso zu danken, wie den VertreterInnen der Industrie und Wirtschaft. Der gemeinsame Weg soll weiter beschritten werden. Das Jahr 2010 ist ein besonderer Zeitpunkt um sich über Reformen zu unterhalten, da die Krisen in Europa  noch immer aktuell sind. Aus der derzeitigen Situation müssen die richtigen Lehren gezogen werden. In diesen Wochen entscheidet sich die Zukunft Europas. Dabei geht es nicht um einzelne Länder, sondern um den Bestand unserer Währung und der Europäischen Union. Die Krise entstand aus einer Schuldenkrise, und diese Herausforderung gilt es künftig zu bewältigen. Österreich muss wettbewerbsfähig bleiben, dazu muss auch die Verwaltung ihren Beitrag leisten. Die Verwaltungsreform ist die Topagenda im Herbst; man muss Effizienz steigern und zeitgleich Services verbessern will. Die Transparenzdatenbank  ist nicht nur ein wichtiges Tool für die Politik um Geldströme zu analysieren, sie ist auch eine individuelle Informationsquelle für BürgerInnen. Das BRZ soll künftig auch im Bereich der Green IT federführend sein, weil Ökologisierung dem Vizekanzler, als ehemaliger Umweltminister, ein besonderes Anliegen ist.

E-Government als Weg der Verwaltungsreform zwischen Bürgernähe und Kostenzwang

  • Univ.-Prof. Matthias Karmasin, Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Klagenfurt

BürgerInnen sind mit zahlreichen Verwaltungsagenden beschäftigt, welche durch E-Government erleichtert werden sollen. Eigenleistungen der BürgerInnen können anders genutzt werden als mit Verwaltungsagenden. In einer idealen Welt ist Kostenersparnis und Servicequalitätssteigerung gleichzeitig möglich, obwohl es auch Beispiele gibt, bei denen sich diese Kriterien widersprechen. Was macht man in 10 Jahren mit Menschen, die keinen Breitbandinternet-Zugang haben? Was macht man mit denjenigen, die sich keinen Computer leisten können/wollen? Einige Agenden der Verwaltungsreform können nicht IT-getrieben gelöst werden, wie z.B. die Reform der Verwaltungsebenen.

Eine Verwaltungsreform ist vor dem Hintergrund der Krise unabdingbar. Es gibt keine Alternative zu E-Government, da der gesellschaftliche Wandel stattfindet. E-Government ist aber nur einer der Wege zur Kostenkostenreduktion und Serviceverbesserung. Moderne IT ist ein Hilfsmittel für Reformen, aber nicht die Lösung. Es haben sich nicht immer die besten Technologien durchgesetzt (Bsp. VHS). Die Politik muss die Voraussetzungen schaffen, Menschen die Möglichkeit zu geben, ein gutes Leben zu führen. Die aktuelle Diskussion ist leider kosten- und effizienzgetrieben. Menschen haben das Gefühl sich der Politk unterwerfen zu müssen, was in Politikverdrossenheit mündet. Wie kann also Verwaltung dazu beitragen, dass sich BürgerInnen als Teil des Staates sehen, dessen Verwaltung sie sich unterwerfen? Die österreichische Bevölkerung hat mehr Vertrauen in die Verwaltung als in die Politik.

Innerhalb der Verwaltung ist E-Government bereits  akzeptiert.  In vielen Bereichen wird der Nutzen von E-Government aber nicht ausreichend kommuniziert. BürgerInnen sollen nicht als KundInnen behandelt werden. Alle BürgerInnen müssen gleich behandelt werden; sie haben Rechte und Pflichten. Das gilt nicht für KundInnen. Der Saat ist kein Unternehmen; die Veraltung arbeitet für das Gemeinwohl. Wichtig ist es, die Chancen zur Beteiligung der Bevölkerung zu verstärken. Man muss hierfür die Digital Divide schließen.
Verwaltung in der Medien- und Informationsgesellschaft kann sich nicht auf IT konzentrieren. BürgerInnen müssen zur Verwaltung und letztendlich zu Gesellschaft gebracht werden, wobei sie auch mitgestalten sollen. Das Gelingen der Verwaltungsreform und der Ausbau von E-Government ist für BürgerInnen zentral. BürgerInnen brauchen Marken, auf die sie vertrauen können: Hier geht’s um uns alle!

Intermezzo – Abstimmung, Fragen 1-3

Peter Parycek erklärt in Kürze die Agenden des Zentrums für E-Government, mit Fokus auf Beteiligung von BürgerInnen. Die Gäste im Kursalon können nun über die Fragen, die wir vor wenigen Tagen im Blog behandelt haben, abstimmen. Herr Brandstätter moderiert die Abstimmung. Die Ergebnisse der online Umfrage decken sich grundsätzlich mit denen im Saal, auch wenn die Web-Community etwas pessimistischer sind.

Podiumsdiskussion: IT und Verwaltungsreform – Herausforderung und Chance

  • StS Reinhold Lopatka, BMF
  • StS Andreas Schieder, BMF
  • Bernhard Felderer, IHS
  • Univ.-Prof. Matthias Karmasin

Aufgabe der verantwortlichen PolitikerInnen ist es, die Verwaltungsreform nicht nur zur Kostensenkung zu verenden, sondern auch Vertrauen und Services zu verbessern. Die Politiker am Podium sind davon überzeugt, dass die Verwaltungsreform fruchten wird. Österreich ist noch gut aufgestellt in Europa, aber die Betonung liegt auf ‚noch’. Eine Verwaltungsreform ist schon innerhalb der Bundesregierung schwer umzusetzen. Der österreichische Föderalismus ist ein weiterer hemmender Faktor, da Länder und Gemeinden einverstanden sein müssen.

Das Zeitfenster für grundlegende Reformen, an denen auch die Länder interessiert waren, schließt sich bereits. Wenn ein Aufschwung kommt, auch nur ein kleiner, wird das Interesse an Reformen sinken. Die Reformen können nicht IT-getrieben sein, weil Technik innerhalb der Gesellschaft keinen hohen Stellenwert hat. Die Reformen müssen Politik-getrieben sein, und  PolitikerInnen müssen die Vorteile und Notwendigkeiten erklären. Die Verwaltung ist in einigen Bereichen davon überzeugt, dass sie nahezu perfekt agiert, doch dies kann nicht transportiert werden.

Über viele wichtige Angelegenheiten bei Reformen wird aus Tabu-Gründen nicht gesprochen. Reformen und Harmonisierungen im Gesundheits- und Pensionsbereich sind sehr wichtig, und Herr Lopatka geht davon aus, dass dies auch stückweise gelingen wird. Alles auf einmal geht nicht, weshalb die ganz große Reform nicht möglich sein wird. Laut Schieder ist es bereits ein Erfolg, dass sich die Verwaltung auf ein Ausweich-Rechenzentrum einigen konnte.

BürgerInnen sind bereits durch Interessensvertretungen am Gesetzgebungsprozess beteiligt. Das Parlament ist die legitimierte Vertretung der gesamten Bevölkerung. Repräsentative Demokratie zeichnet sich nicht dadurch aus, dass BürgerInnen bei allen Entscheidungen mit stimmen, sie sollen das Gefühl haben gut vertreten zu werden. Die Entscheidungen müssen so kommuniziert werden, dass Menschen erkennen, dass die Politik ihre Lebenswelten verbessert.

IT-Kooperation im föderalen Staat

  • Matthias Kammer, Vorstandsvorsitzender Dataport, Deutschland

Die Innovationslust des BRZ ist bereits über die Grenzen hin bekannt. Deutschland hat einen mit Österreich vergleichbaren Staatsaufbau was die Strukturen betrifft. 15 bis 18 Millionen Euro werden in Deutschland jährlich in IT investiert. Dataport wird von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und bald auch von Niedersachsen im Bereich der Steuerverwaltung verwendet.

Unterschiedliche Software- und Techniklösungen sind keine nachhaltigen Lösungen. Vorhandene Institutionen müssen fusionieren um tatsächlich effizient zu arbeiten. Im Kommunalbereich in Deutschland gibt es besonders viele verschiedene Lösungen. Zusammenarbeit ist essentiell, weil es niemand alleine schafft auf Dauer die notwendigen Dienste anzubieten. In Deutschland ist der Artikel 91c des Grundgesetzes ein wichtiger Bestandteil der Weiterentwicklung der Verwaltung – Zusammenarbeit wird ermöglicht, aber noch nicht gefordert.

Intermezzo – Abstimmung, Fragen 4-5

Bei Frage 4 liegen die Antwortmöglichkeiten in der Saalumfrage in etwa gleich auf. Frage 5 spiegelt das Ergebnis der Internet-Umfrage wieder.

Podiumsdiskussion: IT und Verwaltungsreform – Potenziale und Umsetzung

  • SC Manfred Matzka, BKA
  • SC Gerhard Popp, BMF
  • SC Josef Bosina, BMJ
  • SC Hermann Feiner, BMI
  • Georg Schöppl, Aufsichtsratsvorsitzender BRZ
  • Georg Obermeier, T-Systems Austria
  • Hanns-Thomas Kopf, Siemens IT Solutions
  • Rudolf Kemler, Hewlett-Packard
  • Andreas Muther, SAP Österreich
  • Leo Steiner, IBM Österreich
  • Petra Jenner, Microsoft Österreich

Eingangs-Statements: ‚More for less’ ist gleichzusetzen mit Public Value. Standardisierung und Vernetzung sind wichtig in der Verwaltung. Verschiedene Bereiche müssen zusammenarbeiten. Österreich muss sich darum kümmern bei E-Government oben auf zu bleiben, der Trend zeigt nach unten. Neue Lösungen sollen für mehrere Abteilungen gelten – raus aus dem Schrebergarten. Bei der Haushaltsreform muss die Wirkung besonders beachtet werden. BürgerInnen sollen eingebunden werden.

Popp: Die Partnerschaft mit der Wirtschaft funktioniert sehr gut. Die Industrie bringt Innovation in die politischen Initiativen. Ein Rechenzentrum alleine kann nicht alle Angebote abdecken, deshalb sind Kooperationen wichtig.

Steiner: Moderne Anwendungen ermöglichen Beteiligung und Zusammenarbeit mit der Gesellschaft. Wie schaffen wir es BürgerInnen mit der Mensch-Technik-Schnittstelle vertraut zu machen? Es ist eine neue Kulturfähigkeit und diese muss gefördert werden. Die Digital Natives zeigen den Weg.

Weiterer Diskussionsteilnehmer: Reformen sind nicht IT-getrieben, aber IT-gestützt. Bei der Transparenzdatenbank geht es darum, wieviel Transparenz geschaffen werden kann.

Matzka: In den nächsten 2 bis 3 Jahren braucht die Verwaltung Unterstützung von der Wirtschaft, um nicht IT Projekten zu sparen; dies muss der Politik klar gemacht werden. Die Wirtschaft darf sich nicht als Einzelunternehmen auf bestimmte Punkte konzentrieren. Die Industrie muss sich der großen Aufgaben kooperativ annehmen.

Muther: Wir müssen Prozesse definieren, die für alle Ressorts gelten, damit einheitliche Lösungen angeboten werden können. Man muss gezielt sparen, die IT kann dabei unterstützen.

Obermeier: Die Vernetzung von Life and Work ist wichtig in der Gesellschaft. IT und Kommunikation sind immer Organisationsprojekte und nicht nur technisch orientiert.

Jenner: Die Anbieter müssen sich untereinander vernetzen, damit der Integrationsgedanke bestehender Systeme forciert wird. Offene Standards ermöglichen Zusammenarbeit auf  technologischer Ebene. Innovation ist zwar Standard in der Branche, aber Österreich muss sich stärker mit Innovation auseinandersetzen. Die Gesellschaft darf nicht entlang der Digital Divide gespalten werden.

Weitere Diskussionsteilnehmer: E-Government ist nicht billig, weil alle IT-Lösungen teuer sind. Es ist wichtig auf Synergien zwischen Ressorts zu setzen. Wenn ein neues Rechenzentrum gebaut wird, werden sich nicht automatisch die Kosten senken – auf alle Fälle nicht kurzfristig. Synergien im Bereich der Netzwerke sind in der Verwaltung relativ einfach zu realisieren. Applikationen – der ELAK z.B. – passen nicht für jeden Bereich.
Wer ist der Kunde, dem man die Leistungen übertragen möchte? Österreich ist im Bereich E-Government hervorragend, allerdings gibt es nur geringe Nutzerzahlen. Der Nutzen der E-Government Leistungen für BürgerInnen muss stärker kommuniziert werden. Web 2.0 und soziale Medien verändern den Zugang zu diesen Themen rasant. Marketing im Bereich E-Government gehört gemacht.

Schöppl: Nicht jedes Update wird vom Kunden herbeigesehnt. Innovation von Seiten der Industrie ist gewünscht, aber es soll kundengetrieben sein. Gemeinsame Lösungen sind wichtig und sollen im Vordergrund stehen.

Das IT-Management des Gehirns

  • Univ.-Prof. Jürgen Sandkühler, Zentrum für Hirnforschung, Medizinische Universität Wien

Das Wissen in den Neurowissenschaften wächst ähnlich rasant wie in der IT. Jede Nervenzelle hat bis zu 10.000 Kontakte mit anderen Nervenzellen, somit funktioniert das Networking im Gehirn ausgezeichnet. Die Länge der Leitungsbahnen im Gehirn ist ca. 1.000.000 km. Das Gehirn ist ein Hochleistungsrechner, der mit extrem wenig Energie auskommt.

Das menschliche Gehirn ist gegenüber Störungen sehr resistent. Toxine  können das Gehirn beeinflussen, aber es braucht sehr viele Veränderungen im Gehirn bis es zu merkbaren Veränderungen kommt. Selbst ein hochgradig gestörtes Gehirn kann großartige Leistungen erbringen; z.B. PsychiatriepatientInnen, die sich künstlerisch ausdrücken. Das Gehirn ist das leistungsfähigste aber auch das am wenigsten verstandene Organ des Körpers. (Der gesamte Vortrag ist für Laien nur mit Bildmaterial verständlich, weshalb ich den Vortrag zwar weiterempfehle, aber nicht zur Gänze festhalte.)

Schlussworte

  • Christine Sumper-Billinger, Kaufmännische Geschäftsführerin BRZ

Herzlichen Dank an die Gäste und die Sponsoren! Das Vertrauen in die tatsächliche Umsetzung der Verfassungsreform ist nicht groß, aber die IT hat einen wichtigen Anteil an der Reform, falls sie zu Stande kommt. E-Government 2.0 bringt eine neue Definition des politischen, verwalterischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses.

Dankeschön für Ihre Aufmerksamkeit! Ich darf Sie noch einmal auf unseren Flickr- und Twitter-Stream hinweisen – die Links finden Sie in der linken Spalte und im Einleitungstext zu diesem Artikel.

2 Kommentare

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