Facebook als Schulfach?

Am 23.06.2010 wurde im ORF KulturCafe die Studie „Roundabout Kids 2010“ der mobilkom präsentiert. Die roundabouts-Studien beschäftigt sich seit 2003 mit dem Nutzungsverhalten und der Medienkomptenz der Digital Natives in Bezug auf Telekommunikation und Internet.  Es diskutierten Dr. Ingrid Paus-Hasebrink, Dr. Barbara Brüning (Universität Hamburg) und Ing. Martin Bredl (Unternehmenskommunikation A1) über die Frage, ob und wie man Kindern den Umgang mit Social Media vermitteln sollte.

Studienergebnisse

507 Kinder aus Österreich zwischen 6 und 14 Jahren wurden im Rahmen von Face-to-face-Interviews befragt. Neben dem Internet verbringen die Kinder nach wie vor die meiste Zeit mit ihren peers (71 %), die zweithäufigste Freizeitaktivität sind Hausaufgaben (62 %), was auf den Rückgang des Fernsehens zurückgeführt werden kann. Die Daten zur Handynutzung überraschen wenig: Das Einstiegsalter beim eigenen Mobiltelefon sinkt, und jedes zweite Kind schreibt mehr als 10 SMS pro Tag. Apps und Soziale Netzwerke/Medien werden am Handy derzeit jedoch nur von 3 % genutzt.

Rund die Hälfte der Kids (56 %) wurde über die erlaubten Aktivitäten im Internet aufgeklärt, wobei die Mehrheit zwischen 6 und 10 Jahren informiert wurde. 44 % bekommen jedoch keine Informationen. 61 % werden von den Eltern aufgeklärt, 18 % von Geschwistern und Freunden und 13 % von LehrerInnen. Angesichts der Tatsache, dass 66 % der Kinder einen eigenen Laptop besitzen und nur 18 % ihn mit Familienmitgliedern teilen müssen, ein überraschendes Ergebnis. Bei 15 % der 6-8-Jährigen wird der Computer bereits in der Schule eingesetzt. Und 19% der befragten Kinder nutzen täglich Facebook.

Verändern Gadgets unsere Wahrnehmung?

Dr. Paus-Hasebrink meinte dazu, dass die Auswirkungen des Konsums durch die Alltäglichkeit der Medien schwer zu analysieren sind. Bei einer Studie aus 1990, die die Wahrnehmungsweisen einer Sendung (Die Sendung mit der Maus) auf Ost- und Westkinder untersuchte, bleib den Kindern das im Gedächtnis, was mit ihrer Lebenswelt zu tun hatte – diese stellte also einen wesentlichen Nachrichtenfilter dar. Medien werden in einem Repertoire genutzt, wobei sich der Stellenwert einzelner Medien aber sehr wohl verändert. Die besonderen Möglichkeit des Netzwerkens im Internets besteht darin, weniger intensive Beziehungen zu sehr vielen Verbindungen zu pflegen. Das Social Web bietet außerdem eine Fülle von Möglichkeiten zur Orientierung auf dem Weg zum Erwachsenwerden – mit all seinen Risiken. Bei den 15-17-Jährigen ist die Nutzung des Social Webs konsequenterweise am höchsten.

Online laufen lernen

Dr. Brüning schlug den Erwerb eines IT-Führerscheins vor, der im Rahmen eines neuen Unterrichtsfaches oder einer Fächergruppe erworben werden kann. Wichtige Unterrichtsthemen wären der Umgang mit den eigenen Daten, die Zuverlässigkeit von Informationen oder rechtliche Fragen (beispielsweise Urheberrechte). Was den Umgang der Kinder mit Sicherheitsregeln im Netz betrifft, befolgen drei von vier Kindern die allgemeinen Sicherheitsregeln (Virenschutz, Passwörter etc.). Ein Viertel der Kinder denkt jedoch, dass ihre Eltern über ihre Internetnutzung überhaupt nicht Bescheid wissen (was sich von der Selbstwahrnehmung der Eltern natürlich unterscheidet).

Mediensozialisation und Schule

Eine Studie zur Mediensozialisation von sozial benachteiligten Kindern in Österreich (Zeitraum: 5 Jahre, Leitung Paus-Hasebrink*) zeigt, dass die Mediensozialisation sehr davon abhängt, wie sehr sich Kinder in der Realität aufgehoben fühlen. Dann stellen Internet oder Spiele nur eine geringere Suchtgefahr dar. Bredl ist der Ansicht, dass Kinder gar nicht erwarten, dass Eltern und LehrerInnen ihnen bestimmte Trends erklären, dennoch sei es wichtig, Grenzen zu setzen und die Diskussion zu führen. Eltern sind mit einer erhöhten Unsicherheit konfrontiert, sollten aber in erster Linie Interesse für die Aktivitäten der Kinder im Netz aufbringen. Gerade weil viele Eltern jedoch nicht genügend Kompetenz oder Zeit aufbringen können, ist die Thematisierung durch Pädagoginnen und die Etablierung eines dafür vorgesehenen Ortes in der Schule wichtig. Möglichkeiten im Unterricht ergeben sich z.B. durch kollaboratives Arbeiten, bei dem z.B. der Umgang mit Plagiaten erlernt werden kann.

Abschließend wurde im Plenum u.a. über die Sperre von Facebook in der Schule diskutiert und die Meinung der SchülerInnen (u.a. die Sinnhaftigkeit eines IT-Kompasses) eingeholt.

*Literatur

Paus-Hasebrink, Ingrid (2009): Mediensozialisation von Kindern aus sozial benachteiligten Familien. In: Das Parlament – Beilage: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 17 / 20.04.2009. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Paus-Hasebrink, Ingrid/ Wijnen, Christine W./ Jadin, Tanja (2010) Opportunities of Web 2.0: Potentials of Learning. In: International Journal of Media & Cultural Politics, Vol. 6, Nr. 1, S. 45-62

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