Open Education und Open Access in der Schweiz

Ricarda T. D. Reimer (Universität Zürich) hielt am 3.5.2010 im Center for Teaching and Learning (Wien) einen Workshop zum Thema „Open Source, Open Acces and Open Educational Resources have the potential to change Universities“. Sie gab einen Einblick in die Aktivitäten in der Schweiz und insbesondere an der Universität Zürich, die sich explizit durch einen Universitätsbeschluss zum Gedanken des Open Content bekennt.

Denkt auch daran, dass die Techniker es sind, die erst wahre Demokratie möglich machen. (Albert Einstein)

Reimers Forschungsinteressen sind Blended Learning-Modelle, z. B. Open Sim (Second Life), Open Educational Ressources (OER) sowie forschendes Lernen.

Auch an der Universität Wien wurde eine Arbeitsgruppe zum Thema Open Access gegründet. Ziel ist die Ausarbeitung einer entsprechenden Policy, die den Open-Gedanken an der Universität verankern soll. Ein erfolgreiches Projekt ist „Phaedra„, ein gesamtuniversitäres Digital Asset Management-System mit Langzeitarchivierungsfunktionen.

Die Open-Bewegung

Wichtige Impulse kamen aus Österreich mit den Arbeiten von Zachner und Baumgartner (2007). 2001 gab es die Budapester Open Acces-Initiative, deren Zweck die Beschleunigung der internationalen Open-Bewegungen war – Forschungsartikel aller akademischen Disziplinen sollten im Internet frei verfügbar werden.

Open Content ist mittlerweile zum Oberbegriff avanciert, während Open Access meist im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Publikationen genannt wird. Open Educational Ressources sind digitalisierte Lehr- und Lernmaterialien (nach Baumgartner freie Bildungsressourcen), die nicht nur kostenlos, sondern prinzipiell frei zugänglich sein sollten. Die rechtliche Grundlage ist das Creative Commons-Lizensierungsmodell.

Bisher werden die Inhalte eher als Selbstlernmaterialien und seltener im didaktischen Kontext eingesetzt (E-Learning muss nicht unbedingt eine Plattform bedeuten). Während einige Unis aktuell immer noch nach dem Warum fragen, sind Open Access, Open Content und Open Educational Ressources für andere bereits wichtige Marketingaspekte.

Wenn sich die Universitäten nicht zu Open Content bekennen, schwindet für diese der Mehrwert. In Zürich hat man sich explizit dafür entschieden: Im Rahmen der E-Learning-Strategie gab es 2005 ein Commitment zu Open Content, 2006 wurde ein Dokumenten- und Publikationsserver eingerichtet (ZORA – Zurich Open Repository and Archive, E-Lib.ch (Bibliotheken)).

Attraktivität von Open Content in der Wissenschaft

Offenheit (Bergamin/Filk 2009 nach Foote 2005) bedeutet die Freiheit zu kopieren, zu modifizieren und modifizierte Versionen weiter zu verteilen. In der Wissenschaft und Lehre startet die Attraktivität mit der Möglichkeit der Modifikation. Wichtig ist die Kompatibilität der Bearbeitungstools. Im Sinne des Hochschulmarketings sollen außerdem Qualitätssicherung und Didaktik verbunden werden.

Beispiele aus der Wissenschaft

Ein Beispiel aus den USA ist merlot.org – hier finden sich Peer-Reviews zu den Materialien. Auf https://collection.switch.ch sind ca. 90 % der e-lectures der Uni Zürich abgelegt. Weitere Beispiele für repositories sind ocw.mit.edu (Zürich), open.ac.uk (UK) – hier müssen Studierende erst bei Prüfungen etc. bezahlen oder das Archiv für Lehrmaterialen der Universität Klagenfurt uni-klu.ac.at/ocw.

Bei der Konzeption von Open Content-Plattformen ist die Metadatenmodellierung zu beachten: Abseits des Zurverfügungstellens muss z. B.  die Art des Peer-Review-Verfahrens organisiert werden.

Ökonomische Aspekte

Eine Studie von JISC wies 2009 nach, dass Open Access durchaus mit Kosten verbunden ist. Gleichzeitig gibt es auch neuere Studien, die auf die Möglichkeit der Kostensenkung durch OA und OER im Unviersitätsbereich verweisen. Heute zahlt – wie bei Open Access-Publikationen bei Springer) dann oftmals der/die AutorIn. Anegsprochen wurde auch die Problematik des Auffindens geeigneter Repositories. Auch deshalb ist eine Metadatenmodellierung wichtig, um durch Suchtermini und peer-Reviewing eingrenzen zu können.

Karrierespezifische Verankerung von OA an den Universitäten gefordert

Anzustreben ist die Bekennung zu Open Content und Open Access und die Formulierung von Policies von Seiten der Hochschulleitung. Meist sind die Argumente dagegen emotionaler Natur (Angst vor Beobachtung, Neues etc.). Die Veröffentlichung auf Open Content-Plattformen und der Einsatz für Open Access sollte unbedingt karrierespezifisch eine Rolle spielen, was momentan leider noch nicht der Fall ist. Wichtig also die Berücksichtigung der Open-Inhalte bei der Reputation von WissenschaftlerInnen.

Links

Blog von Ricarda T. D. Reimer

Plattform Open Access

2 Kommentare

  1. Uneingeschränkte Zustimmung meinerseits.
    Ich möchte allerdings kritisch anmerken, dass die besten Technologien nichts helfen, wenn es keine Standards zu Granularität der Lehrmodule gibt. Das
    erschwert nicht nur den Austausch und die Zusammenstellung
    mehrerer Lehrmodule, sondern letztlich auch die Suche in
    den Dokumenten. Bevor hier viel Zeit und Hirn in die Erstellung von
    technischen Lösungen investiert wird, müssen mbMn grundlegende use-cases
    und Granularitäten definiert werden.
    Zum Thema wissenschaftliche Publikationen gibt es offensichtlich die Software „Open Journal Systems“ des Public Knowledge Project (der Simon Fraser University Library?), dort scheinen auf einen ersten Blick sämtliche relevanten workflows abgebildet zu sein; die Lösung ist mehrsprachenfähig:
    http://pkp.sfu.ca/files/OJSinanHour.pdf

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