re:publica #4 (Tag 3)

Bei der Vorbereitung einer Konferenz denkt man an alles, nur nicht an Vulkane in Island. (Twitter-Account der re:publica)

Aufgrund des Ausfalls zahlreicher Flüge mussten einige Vorträge verschoben oder abgesagt werden. So auch der von Götz W. Werner. Die OrganisatrInnen stellten jedoch geschwind Ersatz- und Lückenprogramme auf die Beine. Und die Updates auf Twitter machten sich bei kurzfristigen Verschiebungen bezahlt.

Götz W. Werner: Revolution im Kopf

Ja dann steig mal ein in die Gesellschaft!

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.

Die Themen von Werner kreisten um die Themen Grundeinkommen und gesellschaftlichen Reichtum. Letzterer entsteht aus der Verfügbarkeit von Dienstleistungen, unsere Gesellschaft geht jedoch häufig davon aus, dass wir etwas nicht finanzieren können, wenn zuwenige Aufträge vorhanden sind. Für Werner ist die Frage der Produktionsmöglichkeit eher die eines ehrlichen Willens. In gesellschaftlichen Krisen widerholen sich Fehler durch die Verkopplung von Arbeit und Einkommen – für Werner ein fatales Paradigma.

Er stellte Arbeit aus Sinn der Arbeit wegen des Einkommens gegenüber. Aufgaben des Managements wäre die Schaffung von Rahmenbedingungen, die aus einem Einkommensplatz einen Arbeitsplatz machen.

Das hier vorgetragene Plädoyer für ein Grundeinkommen setzt an einer Veränderung der Lebensbedingungen, Berufswahl und Beziehungen an und eine Revolution im Kopf voraus. Freiheit wäre wie bei Jean Jaques Rousseau dann nicht alles zu tun, was man will, sondern nicht tun zu müssen, was man soll. Werners Empfehlung: Wann immer Langeweile herrscht, könne man die Thematik des bedingungslosen Grundeinkommens ansprechen (und der Abend wäre gelaufen). Er wendete sich gegen das Prinzip „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.

Der Paradigmenwechsel von Arbeit und Einkommen steht laut einer Publikumsmeldung auch mit dem Open Source-Gedanken in Zusammenhang. Kritik wurde geübt an der Tatsache, dass auch für revolutionäre Ideen letztlich der Staat als erste Instanz fungiert. Für Werner ist aber das Staatswesen als funktionierende Infrastruktur notwendig.

Diskussion: OpenGovernment in Deutschland (Stefan Gehrke, Annette Mühlberg, Maika Jachmann)

Öffnet euch, sonst werdet ihr geöffnet!

Die Diskussion war weniger ein Sprechen über Schnittstellen als über die politischen Hintergründe der Open Data-Situation in Deutschland. Es diskutierten u.a. VertreterInnen der Abteilung Onlinedienst des Bundes und des Referats E-Government, neue Medien in Berlin.

Open Data und Open Government sind in Deutschland Themen des öffentlichen Dienstes. Die grundlegenden Ansprüche Transparenz und Partizipation sind ebenfalls zentral. Zusätzlich ist die Frage von Belang, welche Ansprüche die Bevölkerung hat und an welchen Daten die BürgerInnen interessiert sind. Leider herrscht in der Verwaltung aber meist kein Verständnis hinsichtlich dieses Bedarfes und bei Pressestellen stößt man meist auf Unverständnis oder wird an InformatikerInnen verwiesen. Allgemein sei ein Misstrauen gegenüber den BürgerInnen beobachtbar. Alle Daten, die nicht personenbezogen sind, sollten aber statt Nachfragen über Schnittstellen ausgelesen werden können. Die Open Government-Direktive von Obama versprach mit ihren drei Schlagworten einen bisher nie erreichten Grad von Öffentlichkeit. Der Paradigmenwechsel setzt dabei an, nicht nur die Stimme des Volkes, sondern auch dessen Wissen einzubringen.

Diskutiert wurde außerdem, wie wichtig politischer Druck überhaupt ist um eine Veränderung zu erreichen. In Deutschland wurde das Informationsfreiheitsgesetz erlassen, allerdings sind im Bereich Open Data rechtliche Restriktionen in Bezug auf Datenschutz oder Urheberrecht vorhanden, die andere Staaten nicht haben. Es existieren aber Bestrebungen Richtung Transparenz. Momentan wird herausgefunden, von welcher Basis aus gearbeitet werden kann. Die Festsetzung eines Datenschutzstandards bzw. eines Gesetzes, das Gemeinschaftsgüter unter offene Nutzungslizenzen setzt, fehlt noch. Schließlich gehe es nicht um Urheberrecht, sondern um freien Zugang gemäß des Open Source-Prinzips. Daher müssen offene Standards für bestimmte Themen geschaffen werden und sich der Staat als Dienstleister begreifen. Ein Regierungsprogramm zur Thematik wird erarbeitet, das Open Data Network möchte weiters eine Liste von AnsprechpartnerInnen zur Verfügung stellen.

Bezüglich der oft gestellten Frage nach dem Nutzen derartiger Initiativen wurde ein neuer Wert der Demokratie bzw. ein Kulturwandel postuliert, der von den BürgerInnen durchaus schon gesehen wird. Die Verwaltung muss diese Kulturräume beschleunigen, sieht aber oft auch eine reine Finanzierungsproblematik.

Micah Sifry: Obama Agonistes. From campaigning to governing, the struggle to open up politics

Indeed, the game is changing.

We’ve built a structure that can sustain itself. (Barack Obama)

Sifrey analysierte die Besonderheiten des Obama-Wahlkampfes und der eingesetzten Medien. Ebenso wichtig wie ein Campaigning von oben sind für ihn Netzwerk-Effekte. Die große Veränderung war jedoch nicht nur durch Obama, sondern auch durch Bush möglich, da letzterer soviele Menschen wütend gemacht hat. Nicht nur die Technologie war ausschlaggebend, sondern eben auch die Verbreitung.

Mit einem Video, das jubelnde junge Menschen vor dem weißen Haus zeigte („yes we can“ rufend) zeigte Sifry, wer durch den Erfolg bemächtigt wurde. Derartiges ist in Amerika vorher noch nie passiert, weshalb etwas sehr tiefes in den Menschen berührt worden sein musste, insbesondere bei den jüngeren Leuten. Zwar handelte es sich bei vielen Handlungen von Obama um Mythen, jedoch sinnvolle Mythen: Wenn Menschen hoffnungsvoll sind, sind sie offener für Veränderung.

Der Manager der Obama-Kampagne (David Plouffe) sagte: „We had essentially created our own television network, only better.“ Eine weitere Besonderheit der Kampagne war, dass auch ohne exzessiver Promotion viele Leute an den Aktionen teilnahmen: bei „Open for Questions“ mit Google Moderator als Interface beteiligten sich fast 100.000 Menschen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s