re:publica #5 (Tag 3)

Aufgrund der Subkonferenz re:campaign ist auch der letzte Tag der re:publica überaus gut besucht.

Ulrich Schlenker: 140 Zeichen können wirken

Der Workshop handelte von Twitter im Einsatz bei NGO-Kampagnen, aber auch über den Charakter von Twitter als Echtzeitdialogmedium. Dieser sieht folglich nicht nur einen Informations- oder Werbekanal vor, kann aber durchaus auch Aufmerksamkeit erzeugen. Ein Anwendungsbeispiel wäre ein Dialogmedium mit den UnterstützerInnen einer Kampagne. Beliebt sind mittlerweile auch Twitterwalls, wobei alle Tweets zu einem Hashtag in Echtzeit projiziert werden.

Vom Aktionsbündnis gegen Aids und Deine Stimme gegen Aids wurde Twitter als Lobbyinstrument eingesetzt. Ein anderes Beispiel ist die Befragung von haushaltspolitischen SprecherInnen direkt über Twitter. Ein wesentlicher Vorteil ist also die Möglichkeit eines direkten Dialogs mit PolitikerInnen. Ein erfolgreiches Projekt einer Hilfsorganisation ist Tweet a Thon von CARE.

Die TeilnehmerInnen des Workshops machten die Erfahrung, das Twitter häufig nur als Promotionstool gesehen wird. Innerhalb des Unternehmens müssten für den Account zuständige Personen aber bevollmächtigt sein, sodass eine inhaltliche Diskussion nicht notwendig ist. Tweets müssen außerdem mehr als eine einfache Presseaussendung, sondern möglichst lebendig sein. Außerdem twittern besonders aktive Microblogger in erster Linie mit mobilen Endgeräten.

Bastian Dietz: Youth we can? Politische Partizipation Jugendlicher im Social Web

Bildung kommt von Bildschirm.

Jugendliche differenzieren wenig zwischen hedonistischem und altruistischem Freizeitverhalten. Ausgehend davon zeichnet sich jugendliches Engagement auch durch einen Übergang zwischen Teilhabe an Freizeitangeboten und politischer Partizipation. Die Shell Jugendstudie zeigte bereits 2006, dass das Interesse an Politik steigt, an Parteipolitik aber sinkt (ebenso wie die Wahlbeteiligung generell sinkt). Zwischen 14 und 16 Jahren ist das politische Interesse am höchsten. Grundsätzlich sind projektbezogene, punktuelle Partizipationsformen beliebter. Die Aktivitätsmessung ist schwierig. Die PISA-Studie bot eine Sonderauswertung, in der 68 % der 15-Jährigen als aktiv zu bezeichnen und damit über Jugendarbeit zu erreichen sind.

Dietz unterschied zwischen echter Partizipation und „Pseudo-Partizipation“. Letztere wären z. B. Malwettbewerbe oder Mitgliedschaften, Preisausschreiben oder Jugend im Rathaus ohne echte Diskussion. Echte Partizipation sind Jugendparlamente, Staddteilversammlungen oder auch projektbezogene Workshops. Partizipationsräume im Social Web sind ebenso wie Partizipationsthemen vorhanden.

Als Partizipationsprojekte für Jugendliche wurden beispielsweise doitnow.de (Donauritter) angeführt, ebenso wie was-soll-politik.de, die juleica.de-Community oder die U18-Bundestagswahl (www.u18.org). Allgemeiner wurden das Bundestagsradar (SPON) oder die Protokolle von Bundestag.de (DIP) genannt. Unter Demowatch.de kann man außerdem thematisch nach Demonstrationen suchen. Notwendig sind in jedem Fall Angebote echter Partizipation von staatlicher und nichtstaatlicher Seite.

Diskussion: Kann denn Freiheit grenzenlos sein?

Ich fordere den Einmarsch der UNO ins Internet! (Dirk Baranek)

Thema dieser durch VertreterInnen konträrer Positionen geführten Diskussion war die Verpflichtung zur Zensur und Kontrolle im Internet. Die Diskussion führte Powerblogger Michael Seemann (@mspro). Christian Heller (@plomlompom, „Auf einer Nerd-Skala von 1-100 hätte er wohl 120“) vertrat die Ansicht, dass prinzipiell alles als Information im Internet generiert werden können sollte. Probleme müssten anders als durch die Kontrolle des Informationsflusses gelöst werden. Für Online-Journalist Dirk Baranek (@baranek) ist ein Konsens zur Kontrolle von inakzeptablen Dingen jedoch notwendig. Absolute Freiheit gibt es nicht, da durch die totale Freiheit immer die Werte von anderen verletzt werden. Gerade weil gewisse Behauptungen die Würde einschränken, sind auch Schutzmechanismen im Raum Internet aufzubauen.

Die zwei Extrempositionen gipfelten in folgender Betrachtung: Während für Heller Baranek einem Nordkorea-Prinzip anhängt, möchte letzterer bei Teilen des Internets über eine Endlager-Lösung nachdenken.

Der letzte Tag klang gemütlich in der Kalkscheune aus, am Abend wurde mit einer DJ-Line noch eine Abschlussparty geboten. Alles in allem war die re:pulica 2010 eine reibungslos organisierte, thematisch vielfältige und mutige Konferenz, auf der einige aufgrund der verschobenen Flüge noch ein bisschen länger als geplant verweilen dürften.

Weitere Videos der Konferenz sind auch hier zu finden. Außerdem gibt es einen Blog-Spiegel auf der re:publica-Website.

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