Wenn Unternehmerinnen netzwerken

Die Nutzung sozialer Netzwerke durch Unternehmerinnen ist des öfteren Schwerpunkt wissenschaftlicher Beschäftigung, in der es neben den Charakteristiken der von Frauen geführten Unternehmen um genderspezifisches Verhalten in Netzwerken geht. Ein Überblick über die bisherige Forschungslage.*

Verallgemeinern lässt sich typisch weibliches Netzwerken und auch Führungsverhalten sicherlich nicht. Dennoch ergeben sich hinsichtlich der Nutzung geschlechterspezifische Verhaltensweisen oder Schwierigkeiten. Von Relevanz ist beispielsweise auch die Frage, welche informellen Netzwerke Frauen wie nutzen.

Formale vs. informelle Netzwerke

Netzwerke sind im Unterschied zu Organisationen mit einem völlig anderen Strukturprinzip verknüpft und im Gegensatz zu Kooperationen nicht zeitlich befristet. Sie bauen auf Reziprozität und im Idealfall auf dem Gleichgewicht von Einflussmöglichkeiten auf. Während formale Netzwerke aber durch eine organisationale Struktur vorgegeben sind, sind informelle Beziehungen nicht auf Inhalte der Arbeit beschränkt und können sowohl der privaten Bindung als auch dem funktionalen Weiterkommen im Beruf dienlich sein. Die Trennung oder Verschränkung dieser beiden Netzwerkarten ist ein aktuelles Thema. Strategien von Individuuen, diese zu trennen oder zu vereinen, sind an den verschiedenen Zugängen zu Privat- und Arbeitsleben im Internet abzulesen (beispielsweise durch die Handhabung mehrerer Accounts bei verschiedenen Diensten).

„Old Boys“-Netzwerke

Informelle und schwache Bindungen werden in unternehmerischer Hinsicht immer wichtiger. Dass Frauen noch immer in geringerem Umfang selbstständig und in Führungspositionen vergleichsweise unterrepräsentiert sind, liegt u. a. an den geringeren Ressourcen hinsichtlich der Finanzen und Netzwerke: Frauen haben oft deshalb einen Nachteil gegenüber ihren männlichen Kollegen, da sie einen geringeren Anteil an Personen in Führungspositionen in ihrem informellen Netzwerk haben. Gerade ein dichtes informelles Netzwerk wäre aber für eine erfolgreiche Unternehmensgründung bedeutsam. So zeigen sich bei gescheiterten Gründungsideen ein wenig unterstützendes Umfeld, weniger positive Rollenvorbilder und ein geringer Informationsnutzungsgrad. Die Möglichkeit eines Zugriffs auf Netzwerke gestaltet solche Prozesse positiv, während der Zugang zu „Old Boys-Netzwerken“ oft erschwert ist. Dennoch blicken österreichische Unternehmerinnen optimistisch in die Zukunft: Laut einer Online-Umfrage der Frau in der Wirtschaft geben 60 Prozent an, dass die Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen in Zukunft eher steigen wird.

Potential bei der Nutzung von informellen Netzwerken

Meist weisen die von Frauen geführten Unternehmen geringere Beschäftigungszahlen auf. Bemerkenswert ist, dass 39 % der Frauen Erreichung von mehr zeitlicher Flexibilität und 35 % der Frauen die Vereinbarung von Beruf und Familie als Grund für die Selbständigkeit angeben. Das ist ein frauentypisches Phänomen, das auch in Studien in anderen Ländern hervorgehoben wurde, wobei diese Gründe laut einer Studie der WKO noch 2005 für Männer praktisch keine Bedeutung hatten. Weibliche UnternehmerInnen schätzen Ihre Kommunikationssicherheit sehr hoch ein und haben Bedarf an der Unterstützung bei der Nutzung von Netzwerken. Sie weisen meist kein geringeres Ressourcenpotential auf, sondern nutzen dieses weniger. Dass Netzwerke für Unternehmen wichtig sind und auch zum Selbstwert von GründerInnen beitragen, wird hingegen schon in jedem Unternehmensratgeber deutlich. Außerdem stufen Frauen die „strong ties“, also die Netzwerke und soziale Unterstützung durch FreundInnen und Familienangehörige als wichtiger ein als männliche KollegInnen. Hingegen nutzen sie informelle Beziehungen teilweise unsystematisch. Ein Grund dafür könnte die berufliche Vorgeschichte von Unternehmerinnen sein, die häufig aus einer arbeitsmarktfernen Situation heraus gründen. Auch die Nutzung der angebotenen Frauennetzwerke (z. B. zur Unternehmensgründung) ist ausbaufähig.

Aufwärtstrend trotz nach wie vor vorhandener Doppelbelastung

In qualitativen Interviews mit UnternehmerInnen bestätigte sich, dass die für Frauen charakteristische Doppelbelastung diese beim Netzwerken einschränkt. Auch muss die lange Tradition des Netzwerkens, die bisher männlich dominiert war, immer noch aufgearbeitet werden. Es zeichnet sich jedoch ein Aufwärtstrend ab: Die Nutzung informeller und formeller Netzwerke unter Frauen steigt insgesamt deutlich an, auch wenn Frauen nach wie vor anderes informell netzwerken und unterschiedliches Freizeitverhalten an den Tag legen. Dass Frauen im Allgemeinen eher auf der Beziehungsebene netzwerken (während Männer leichter auf der Informationsebene einsteigen), kann jedenfalls auch als Vorteil betrachtet werden.

Da sich gerade hinsichtlich neuer interaktiver Netzwerke aktuelle Ansatzpunkte bieten (Welche Rolle spielen social networks bei der beruflichen Situation und Unternehmensgründung?), sind Studien zur Thematik im Kontext von Online-Netzwerken und der digital society anzuregen.

Literatur:

Eichmann, Hubert/Hochgerner, Josef/Nahrada, Franz (Hrsg.), 2000: Netzwerke – Kooperation in Arbeit, Wirtschaft und Verwaltung. Wien: Falter Verlag

Allen, W. David, 2000: Social networks and self-employment. In: The Journal of Socio-Economics, 29 (2000), S. 487-501

Innreiter-Moser, Cäcilia/Moldaschl, Karoline, 2005: Unternehmerinnen in Österreich. In: Schauer, R./Kailer, N./Feldbauer-Durstmüller, B. (Hrsg.), Mittelständische Unternehmen: Probleme der Unternehmensnachfolge. Linz: Trauner Verlag, S. 285 – 319

WKO im Auftrag von BMWA und WKO, 2005: Unternehmerinnen in Österreich“ – Studie „Aktuelle Situation und Entwicklungsmöglichkeiten. Wien

Barsh, Joanna u.a., 2009: How remarkable Women lead. New York: Crown Business

Links:

Business-Netzwerke der Wiener UnternehmerInnen

Online-Umfrage der Frau der Wirtschaft

Frauen-business.at: Das Wirtschaftsmagazin für Frauen

Unternehmerinnen-Netzwerk

Geschlechter nutzen soziale Netzwerke anders

*Dieser Artikel basiert auf einer Diplomarbeit von Mag.a Claudia Schnugg zum Thema „Nutzung sozialer Netzwerke durch Unternehmerinnen“

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