Web 2.0 und E-Government – Zwei sich ausschließende Prinzipien?

Die öffentliche Verwaltung produziert Bescheide aufgrund fester Verordnungen und Gesetze. Web 2.0 bringt ein offenes, informelles und selbst organisierendes Paradigma. – Zwei sich ausschließende Prinzipien?

Nicht Mode sondern Realität

Österreich ist nicht dafür bekannt, bei Modetrends und neuen Entwicklungen ganz vorne mit dabei zu sein. Dieser Umstand bringt zwar den Ruf des Innovationsverweigerers mit sich, ist aber auch die Chance, aus etablierten Technologien und Methoden die zielführenden zu wählen und nicht als „early adopter“ das Lehrgeld zu zahlen.

Allerdings kommt für jede Technologie die Zeit, wo sie dem Stadium der Innovation entwächst und zu Allgemeingut (engl.: commodity) wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird es Zeit, sich eingehend damit zu beschäftigen.

Der Sprung auf den fahrenden Zug

Web 2.0 Technologien sind im Begriff unser tägliches Leben zu verändern. Falls sie (noch) nicht (wissentlich) unser Leben beeinflussen, dann sicher jenes der heutigen Jugend. Eine MySpace- und Facebook-Kultur hat in den Köpfen unserer Jugend Einzug gehalten, getrieben von Opportunitäten und gekennzeichnet durch schnellen und informellen Kontakt.

Während man bestrebt ist, die banalsten Urlaubspläne vor den Nachbarn zu verheimlichen, fällt im Internet diese Barriere. Wie von selbst wird in einer minutiöse Beschreibung auf Facebook jede Facette des täglichen Lebens beschrieben.

Weit entfernt ist dabei der Gedanke an exakte Wissensvermittlung, vielmehr entsteht eine Unmenge an unstrukturierter Information, die wiederum von (freien) Diensten wie digg.com oder del.icio.us in einem gemeinschaftlichen Prozess strukturiert und bewertet werden. Die englische Sprache hat dafür das Wort „Folksonomy“ kreiert, die deutschsprachige Definition hört sich wesentlich unspektakulärer an: „Gemeinschaftliches Indexieren ist eine Form der freien Verschlagwortung (Indexierung), bei der Nutzer von Inhalten die Deskriptoren (Schlagwörter) mit Hilfe verschiedener Arten von Sozialer Software ohne Regeln zuordnen.“ (Wikipedia)

Wieder ein neuer Indikator: Ohne Regeln ….

Und der Zug fährt rasend schnell

Betrachtet man die Grafik so wird eines klar: Die Entwicklung schreitet rasant voran und einen Technologiesprung auszulassen, ist nicht möglich. Zu groß wäre die Verwirrung um sich in einer Welt mit neuen Wertevorstellungen, Methoden und Abläufen zurechtzufinden.

Web 2.0 produziert vor allem eines: Unmengen an unstrukturierter Information. Wann immer die Informationsflut zu groß wird, bedient man sich einer althergebrachten Methode: Visualisierung.

Auch Web 2.0 bildet hier keine Ausnahme, hat aber eine eigene, natürlich automatisierte Methode der Informationsvisualisierung gefunden, nämlich sogenannte Schlagwortwolken (engl.: tag clouds). Dabei wird  der Inhalt einer Webseite nach einem Algorithmus auf Wörter, Verlinkungen und Häufigkeiten hin untersucht um daraus eine Wortwolke zu bilden, in welcher die Größe eines Wortes sowie die Nähe anderer Wörter zu einem Wort eine Aussage über die Wichtigkeit eines Begriffes machen. Häufig lassen sich daraus Trends ableiten und wie üblich haben Wörter, die häufig prominent in solchen Tag Clouds vorkommen einen Namen bekommen: Buzzwords (engl. für Schlagwort). Auch Web 2.0 hat in letzter Zeit ein eigenes Buzzword geschaffen: „Web 3.0“.

Das Bild zeigt die populäre Web 2.0 Wolke mit den assoziierten Buzzwords und stellt natürlich nur eine Momentaufnahme dar. Im Kontext von E-Government könnten sich hier durchaus Wörter wie E-Democracy oder E-Inclusion wieder finden.

Wie soll nun die öffentliche Verwaltung mit der völlig unstruktuerierten Vorgehensweise eines kollaborativen Web 2.0 Prozesses umgehen? Verordnung vs. digg.com? Wer mehr „diggs“ für einen Vorschlag erhält, bekommt die Genehmigung; das Ganze als völlig transparenter Prozess, an dem sich jeder beteiligen und einsicht nehmen kann?

Heute ist das gestern von morgen

Wie kann die öffentliche Verwaltung mit diesem neuen Paradigma umgehen? Darf sie die Entwicklungen ignorieren und dadurch Gefahr laufen, als ewig gestrig jedem Trend hinterher zu laufen und die eigene „Hoheit“ durch öffentliche Anbieter ersetzen zu lassen?

Ansätze dazu gibt es bereits, wo engagierte Bürger zur Selbsthilfe greifen und mit einer Komponententechnologie, sogenannte „mashups“ (engl.: Sammlung von Technologien, die gratis zur Verfügung stehen und zu einem Ganzen aggregiert werden können) zusammenbauen um eine neue innovative und auf Beteilgung basierende Lösung zu schaffen. Populäre Beispiele finden sich hier vor allem in England, z.B. mit http://www.fixmystreet.com/, wo man Probleme mit Straßen online eintragen kann. Die öffentliche Verwaltung greift dieses Service gerne auf, zumal besonders rasches eingreifen der Straßenverwaltung auf der Seite positiv vermerkt wird.

Aber die Zukunft ist nicht schwarz-weiß: In Österreich und der EU laufen einige Programme zur Online-Beteiligung, mit dem ausgesprochenen Ziel BürgerInnen in den Entscheidungsprozess zu integrieren. Über das ‚Wie‘ herrscht noch Uneinigkeit.

Wie geht es weiter?

Das Zentrum für E-Government bietet ein eintägiges Seminar an, in dem die verschiedenen Web 2.0 Technologien aufgezeigt, die bestehenden nationalen und internationalen Lösungen präsentiert und Ausblicke auf die Zukunft gegeben werden.

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